Einführung: Psychologie im Fußball

Sportpsychologie im Nachwuchs - Videoanalyse in der DFB U15
Sportpsychologie spielt auch im Nachwuchs ein wichtige Rolle

Selbstbewusst, konzentriert, motiviert, aggressiv, zielstrebig, mutig - Schlagworte, die oft vom Trainer in Mannschaftsansprachen gefordert werden, aber häufig von den Spielern nicht umgesetzt werden können. Inzwischen öffnet sich der Leistungsfußball psychologischen Fragestellungen. Dabei sind viele Wege denkbar. In erster Linie ist der Trainer derjenige, der psychologisch mit der Mannschaft arbeitet. Im Hintergrund kann der Sportpsychologe aus der psychologischen Perspektive seine Ansichten und Ratschkläge geben. Die Integrität und Verschwiegenheit sind hierbei von größter Bedeutung.

Sammeln wir zunächst einige Aussagen von Bundesligatrainern des vergangenen 26. Spieltags:

 

Sascha Lewandowski zur Einstellung seiner Mannschaft in der 1. Halbzeit gg. den FC Bayern:

  • "Wir waren in der ersten Halbzeit zu passiv."

Thomas Schaaf zur Einstellung seiner Mannschaft im Spiel gg. Fürth:

  • " Ich kann es nicht nachvollziehen, dass die Mannschaft keine Leidenschaft zeigt (….) Es geht darum, alles abzurufen, und das hat die Mannschaft nicht gemacht."

Thorsten Fink zur Offensivkraft seiner Mannschaft gegen Fürth:

  • "Uns hat die nötige Überzeugung und auch das Überraschungsmoment im Spiel gefehlt."

Matthias Sammer über die Einstellung gegen Juventus Turin:

  • "Unabhängig vom Zeitpunkt der deutschen Meisterschaft müssen wir die Spannung hoch halten."

Dies ist nur ein kleiner Bruchteil an Aussagen mit psychologischem Hintergrund, die wöchentlich in der Bundesliga getroffen werden. Weitere Beispiele findet Ihr unter Praxisbeispiele für sportpsychologische Betreuung. In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Fußballer und Trainer die Bedeutung der Psychologie für den Fußball erkannt und psychologische Aspekte in ihr Training bewusst eingebaut.

Sportpsychologie etabliert sich mehr und mehr

Schon Anfang der 80er Jahre betonte Hans Schellenberger, Professor für Sportpsychologie in Leipzig, die Rolle der psychologischen Wettkampfvorbereitung. Denn im Spitzenfußball sind die konditionellen, koordinativen und technisch-taktischen Fähigkeiten annähernd gleich gut entwickelt, so dass der psychologischen Vorbereitung und der psychischen Belastbarkeit eine besondere Bedeutung zukommen. Nach Schellenberger sollte man die psychische Belastbarkeit systematisch zu trainieren, denn sie könne über Sieg oder Niederlage entscheiden.

 

Der Sportpsychologe steht herbei im engen Austausch mit dem Trainer- und Funktionsstab, wie die Mannschaft und einzelne Spieler optimal betreut werden können. Je nach Präferenz des Traineres arbeitet der Sportpsychologe als Berater im Hintergrund oder führt selbstständig z.B. besondere Teambuilding-Maßnahmen durch oder betreut Spieler auf individueller Basis. Zur Veranschaulichung kann man sich das Gehirn wie einen Muskel vorstellen, den Spieler trainieren können um mental top eingestellt in das Spiel zu gehen.

Sportpsychologen beim DFB

Auch der DFB entschied sich zur sportpsychologischen Betreuung und verpflichtete auf Initiative von Jürgen Klinsmann den Sportpsychologen Hans Dieter Herrmann im Zuge der Vorbereitung auf die WM 2006. Seitdem gehört Herrmann zum erweiterten Trainerstab der DFB-A-Nationalmannschaft. Weitere Bundesligavereine folgten dem Beispiel und stellten Sportpsychologen im Lizenz- und Nachwuchsbereich ein (TSG Hoffenheim, Bayer 04 Leverkusen, SV Werder Bremen, Hamburger SV etc.).

Autor: Nils Gatzmaga

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