Fußballpsychologie beim DFB II

Jens Kleinert berichtet über Sportpsychologie beim DFB Kongress
Jens Kleinert beim DFB Kongress

"Gelobt sei, was hart macht." Mit einem kleinen Augenzwinkern leitete Jens Kleinert, Professor für Sportpsychologie an der Universität Köln, seinen Vortrag beim DFB Wissenschaftskongress über Emotionen im Leistungsfußball ein. In Bezug auf den Nachwuchsfußball empfahl er, den funktionalen Umgang mit Emotionen frühzeitig zu vermitteln. Die Spieler sollten schon in jungen Jahren verstehen, wie Stress bzw. Emotionen aus der kognitiven Bewertung entstehen.

Ziel sei es dann, mit geeigneten persönlichen Ressourcen die Stresssituation zu bewältigen und langfristig Selbstvertrauen aufzubauen. Den Ursprungsartikel zum DFB Wissenschaftskongress findet Ihr hier.

Prof. Dr. Hans Eberspächer - Pionier der Sportpsychologie
Prof. Dr. Hans Eberspächer - Pionier der Sportpsychologie

Daher sei es wichtig, die jungen Sportler im Training mit Situationen von hoher emotionaler Beanspruchung zu konfrontieren. Hier spiegeln sich Vorstellungen des Kompetenzerwartungstrainings nach Eberspächer (vgl. psychologisches Wettkampftraining, Stresstraining) wider, nach welchem Drucksituationen im Training kreiert werden, damit die Spieler lernen, damit umzugehen. Eberspächer hat hierzu die Trainingsformen des Einmaligkeitstrainings, des Prognosetrainings und des wettkampfähnlichen Spiels genannt. Diese sportpsychologischen Ansätze in der Trainingsgestaltung bieten praktische Umsetzungen der von Dutt geforderten Entwicklung der Wettkampforientierung. Weitere Überlegungen zum wettkampfähnlichen Training findet Ihr in meinem Artikel "Wie kann ich das Selbstvertrauen meiner Mannschaft steigern?".

Kleinert unterteilt die Bewältigungsstrategien in die Kategorien der affektiven, kognitiven und psycho-sozialen Prägung. Vor allem betont er die Bedeutung von Humor, um mit negativen Emotionen besser umgehen zu können.

Dass Kleinert den Humor als wichtige Eigenschaft hervorhob, überraschte mich zunächst. Eher standen die Fachtermini wie funktionale Attribuierung oder Ursachenzuschreibung im Vordergrund der sportpsychologischen Literatur. Dabei leuchtet es ein, wie hilfreich es sein kann, über Niederlagen und schlechte Leistungen (die auch zum Leistungssport dazugehören) lachen zu können, um emotional mit diesen Erlebnissen abzuschließen.

 

Eine in meinen Augen ganz wichtige Rolle spielt in diesem Kontext die Einstellung des Trainers bzw. des Vereins gegenüber Humor. Denn wenn bereits im Nachwuchs ständig die Ernsthaftigkeit und Professionalität von 15-Jährigen eingefordert und Lachen als Signal von Disziplinlosigkeit interpretiert wird, kann Humor als funktionale Persönlichkeitseigenschaft nicht ausgebildet werden.


Hinsichtlich der praktischen Umsetzung hielt sich Kleinert zurück, was wohl der kurzen Vortragszeit geschuldet war. Im Rahmen seines Projektes "mental talent" bevorzuge er die Workshops, in welchen die Nachwuchsspieler die Möglichkeiten haben, sich mit ihren Peers aktiv über ihr Erleben von Emotionen auszutauschen.

Autor: Nils Gatzmaga

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