Humor hilft gegen Druck

Con los terroristas...Letzte Woche machte mich eine Kollegin auf einen super interessanten Artikel aus der FAZ aufmerksam. In einem längerem Interview beschrieb der Sportpsychologe von Felix Neureuther seine Arbeit mit den deutschen und österreichischen Ski-Läufern. Als selbsternannter Humorberater verfolgt Jonathan Briefs den Ansatz, seine Sportler über kleine Spielchen neue Blickwinkel auf Probleme zu gewinnen. Spaß ist ein zentrales Element seiner Arbeit mit Athleten. Dabei ist Spaß ein Wort, das in vielen Bereichen des Leistungssports ungern ausgesprochen wird.

Passenderweise betonte beim diesjährigen DFB Wissenschaftskongress der Sportpsychologe Jens Kleinert ebenfalls die Bedeutung von Humor zur Stabilisierung des emotionalen Gleichgewichts. Der Artikel findet Ihr hier.

Ohne Druck in den Flow

Ausgangspunkt in dem FAZ-Interview ist die Erwartungshaltung, die zum einen von außen an uns herangetragen wird, die wir zum anderen aber auch in uns selber aufbauen. So berichetete Briefs von der reinen Ergebnisorientierung von Thomas Morgenstern und Felix Neureuther, die zur Folge hatte, dass beide unglaublichen Druck vor ihren Wettkämfen verspürten. Um die Erwartung zu korriegieren, entschlossen sich beide mehr auf den Prozess, auf die Handlung, das "Hier und Jetzt", das Schöne an seinem Sport zu konzentrieren. Der folgende Gedanke von Neureuther veranschaulicht die Theorie sehr schön:

„Ich habe die schönsten Schwünge der Welt, und ich mache sie für mich! Welche Plazierung am Ende herauskommt, ist mir erst mal egal.“

Zudem unterstrich Briefs die neu gewonnene Lockerheit von Neureuther mit seinem Hinweis auf ein youtube-Video von Felix, in welchem er dern Harlem Shake zelebriert. Ich feier das Video immer noch. Inspiriert von so viel Humor und Leichtigkeit habe ich ein kleines Video kreiert, dass den Umgang mit Druck und Erwartungen am Beispiel von Felix thematisiert. Schaut es Euch mal an und gebt mir Euer Feedback, wie Ihr es findet und was euch noch aufgefallen ist..  

Natürlich sollte jetzt nicht die Message sein, dass jeder Sportler einen Harlem Shake machen sollte, um befreit im Wettkampf zu fahren. Viel mehr soll dies als Beispiel dienen, wie wichtig die Lockerheit auch außerhalb des Platzes ist - und vor allem, sich nicht zu ernst zu nehmen. "Be more than one option" - An dieses Credo erinnere ich mich noch gut, als der Schweizer Sportpsychologe Hans Peter Gubelmann von seiner Coaching-Philosophie referierte. Jedem Sportler, ob Fußballer, Skifahrer oder Trainer sei es ans Herz gelegt, seine Enstpannungsoasen in der Freizeit zu pflegen, sich komplett aus der Rolle als Sportler zu befreien und einfach mal "abzuspacken". Musik kann ein super Hilfsmittel sein.

Impro, Spaß und Perspektivwechsel

Denn in meinen Augen ist gerade die Akzeptanz von Humor im deutschen Fußball noch recht schwierig. Wer Witze macht und über sich selbst lacht, wird häufig kritisch beäugt, denn noch gilt das Dogma: Humor und Leistungsfußball passen nicht zusammen. Spaß zu haben, bedeutet, man strenge sich anscheinend nicht genügend an und habe keine Disziplin. Umso wichtiger ist zu erwähnen, dass Briefs auf einen offenen Trainerstab traf, der dem Humorberater als Exot Eintritt in den Leistungssport gewährte. Mit seinen kleinen Spielen und Impro-Übungen im Einzel- oder Gruppensetting regte Briefs den Perspektivwechsel der Sportler auf ihre Situation an, löste Aha-Effekte aus und löste die Energiebremsen der hohen Erwartungen mit einer zunehmenden Prozessorientierung.

Autor: Nils Gatzmaga

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