Das Selbstvertrauen meiner Mannschaft steigern

Wie schaffen es die Spieler die taktischen Vorgaben auch im Spiel umzusetzen?
Wie schaffen es die Spieler die taktischen Vorgaben auch im Spiel umzusetzen?

Ohne Selbstvertrauen wird es ganz schwer. Jeder wird den Einfluss von Selbstvertrauen auf seine Leistung kennen. Neben dem individuellen Selbstvertrauen der Spieler hat das kollektive Selbstvertrauen im Fußball einen großen Einfluss auf das Spielgeschehen. Häufig sind die Aussagen von Trainern und Spielern nach verlorenen Partien zu hören, dass man zu "ängstlich" oder "vorsichtig" agiert habe. Dabei hat die Mannschaft unter der Woche noch hervorragend trainiert. Im Spiel jedoch wirken die Spieler eingeschüchtert und halten ihre taktischen Vorgaben nicht ein (siehe auch: Den Angstgegner schlagen).

Solche Beobachtungen können auf ein mangelndes Selbstvertrauen hinweisen. Bevor ich aber praktische Tipps vorstelle, wie man als Trainer das Selbstvertrauen einer Mannschaft steigern kann, möchte ich zunächst auf das theoretische Konstrukt der Kompetenzüberzeugung, einen Schlüsselfaktor des Selbstvertrauen, eingehen.

Das sagt die Wissenschaft

Aus der Wissenschaft sind vor allem die Erkenntnisse von Albert Bandura günstig auf die Trainingspraxis zu übertragen. Speziell sein Konstrukt der Kompetenzüberzeugung (synonym: Selbstwirksamkeitserwartung, self-efficacy) ist schlüssig und leicht nachvollziehbar. Demnach wird unser Handeln stark von unserer Überzeugung beeinflusst, wie kompetent wir mit einer schwierigen oder neuen Aufgabe umgehen werden. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist hier also entscheidend. Neben der individuellen spielt die kollektive Kompetenzüberzeugung in Gruppen/ Mannschaften eine wichtige Rolle. Im Fußball sind zum Beispiel neue taktische Aufgabenstellungen, der Umgang mit Niederlagen, ein schweres Los im DFB-Pokal oder der Ausfall mehrerer Leistungsträger große Herausforderungen, die nur mit dem nötigen mannschaftlichen Selbstvertrauen bewältigt werden können. Denn nur so kann die Mannschaft ihr Potenzial in kritischen Situationen auch tatsächlich abrufen.
In der Wissenschaft wurde inzwischen vielfach der Nachweis erbracht, dass selbstbewusste Personen sich hohe Ziele stecken, sich schwierige Aufgaben suchen und dieser mit hohem Engagement und Beharrlichkeit zu lösen versuchen (vgl. Hülß und Schliermann, 2008).

Praxistipps zur Steigerung des mannschaftlichen Selbstvertrauens

Im Folgenden liste ich einige Vorschläge von Schliermann und Hülß auf, wie man das Selbstvertrauen im Fußball fördern kann. Dazu ergänze ich einige Praxistipps aus meinen Erfahrungen im Leistungssport:

Aufgaben erfolgreich in Training und Spiel meistern

Rainer Schliermann
Rainer Schliermann

Zum einen gilt es, taktische und/oder technische Übungen häufig zu trainieren. Erst über hohe Wiederholungszahlen können sich Automatismen entwickeln. Zum anderen sollten Druckbedingungen eingebaut werden, um den "Ernstfall" des Wettkampfs zu simulieren. Je erfolgreicher Aufgaben unter hohem Druck im Training gelöst werden können, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Spieler ihr Können auch im Wettkampf zeigen. Das Kompetenztraining von Eberspächer ist dafür ein passendes Beispiel. Weiterhin zähle ich die Auseinandersetzung mit Extremsituationen (Training bei minus 20 Grad etc.) außerhalb des Fußballplatzes zu den Selbstvertrauen-Boostern.

Videoanalyse nutzen um Stärken zu fördern

Sich selbst oder andere bei der erfolgreichen Ausführung beobachten: Nicht ohne Grund senden Spieleragenturen ihren Kunden maßgeschneiderte Best-of-Videos als Serviceleistung zu. Meine bisherigen Erfahrungen im Nachwuchsfußball zeigen, dass die Mannschaftsspielanalyse vor allem zur Fehlerkorrektur genutzt wird. Positive Szenen werden zwar auch gezeigt, spielen aber eine eher untergeordnete Rolle, die man zeigen "muss", um die Jungs wieder aufzubauen. Die volle Wirkung des visuellen Feedbacks zur Förderung der Stärken wird meiner Meinung nach noch nicht hinreichend genutzt. Wie die Videoanalyse auch mit relativ einfachen Mitteln umgesetzt werden kann, werde ich in einem weiteren Artikel beschreiben.

Überzeugung aus Gesprächen gewinnen

Speziell das Trainer-Spieler-Gespräch ist von großer Bedeutung. Damit kann der Trainer seinem Spieler dessen Stärken und Fähigkeiten für ihn und seine Mannschaft aufzeigen. Weiterhin zähle ich das Mannschaftsgespräch als wichtigen Selbstvertrauen-Booster hinzu, in welchem die Spieler sich gegenseitig wertschätzen. Im Nachwuchsfußball zählen speziell die Eltern als wichtige Förderer, wobei sie jedoch des Öfteren auch über das Ziel hinausschießen.

Körperliche Fitness

Die Spieler müssen ihren Fitnessfortschritt auch spüren. Sie müssen sich körperlich gewappnet fühlen, wenn sie in das entscheidende Spiel gehen. Genau dasselbe gilt für die Erholung. Fühlt sich der Spieler übertrainiert, wird er schlapp und unkonzentriert auftreten. Meine Erfahrungen zeigen, dass vor allem die Abwechslung im Fitnesstraining eine wichtige Rolle spielt. So kann beispielsweise der Besuch in einem Kampfstudio neue Impulse setzen.

Der Trainer als Führungsperson

Der Trainer ist in gewisser Weise der Steuermann, der sich auch in rauen Zeiten vor die Mannschaft stellt. Seine Spieler sollten von der fachlichen Kompetenz überzeugt sein und seinen taktischen Plänen vertrauen. Zudem spielen vor allem (soziale) Führungskompetenzen eine wichtige Rolle, um die Mannschaft zu inspirieren bzw. emotionalisieren. Gerade in schwierigen Zeiten muss der Trainer besonders Verantwortung für das Alltagsgeschehen übernehmen und ganz genau hinauschauen, ob ein eher demokratischer oder autoritärer Führungsstil Sinn machen.

Psychologische Vorbereitung

Hier geht es vor allem darum, wie die Mannschaft mit veränderten Bedingungen wie dem Wetter, schnellen Rückständen, strittigen Schiedsrichterentscheidungen oder der Verlängerung in Ko.-Phasen umgeht. Ein großer Teil überschneidet sich mit dem wettkampfähnlichen Training bzw. Training der Kompetenzüberzeugung aus der ersten Quelle.

Teambuilding

Egal, ob auf oder neben dem Platz - das Vertrauen unter- und zueinander hat einen großen Einfluss auf die Mannschaftsleistung. Frei nach dem Motto "Denjenigen, den ich kenne, mag und unterstütze ich. Denjenigen, der mir fremd ist, meide ich." Besondere Erlebnisse mit der Mannschaft können eine tiefe Verbundenheit stärken, die sich indirekt auch auf dem Platz widerspiegelt.

Autor: Nils Gatzmaga

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Kommentare: 4
  • #1

    mowin (Samstag, 06 April 2013 11:59)

    find ich klasse, wichtiger Artikel....auch dieGestaltung der Halbzeit..gute Artikel, vielleicht noch Tips bei Problemen innerhalb des Teams?

  • #2

    Nils Gatzmaga (Samstag, 06 April 2013 12:40)

    Hey Mowin, danke für Deinen Hinweis. Was meinst Du genau mit Problemen innerhalb der Mannschaft? Wie spiegeln sich die Probleme auf dem Platz wieder? Einzelne Spieler, generell eine schlechte Stimmung? Auf jeden Fall werde ich zu dem Thema in der nächsten Zeit einen Artikel schreiben, wie Trainer und Führungsspieler positiv auf die Teamatmosphäre einwirken können.

  • #3

    Jeannine (Montag, 21 August 2017 15:01)

    Prima Artikel. Große Klasse.
    Mein jetzt erwachsener Sohn ist jetzt auf einmal der Meinung er wäre zu schlecht für seine Mannschaft.
    Er spielt Fußball seitdem er 6 Jahre alt ist. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass er ein sehr guter Fußballer ist. Seine Mannschaften konnten sich immer auf ihn verlassen. Selbst wenn er krank war, hat er sich ins Training geschleppt. Jetzt hat er vor 4 Wochen von der 2. Mannschaft in die 1. Mannschaft im Ort gewechselt. 2 Spiele haben sie verloren, eines nur knapp gewonnen. Auf meine Frage hin, was am Wochenende denn schief gelaufen sei, antwortete er mir
    ,, er sei zu schlecht für diese Mannschaft, alle anderen seien besser. Er sei im übrigen leer und ausgebrannt." Ich kenne meinen Sohn so überhaupt nicht wieder. Er war ( was Fußball angeht) immer so ehrgeizig und zielstrebig.
    Was meinen Sie dazu? Woher kommt dieser Tiefpunkt?

  • #4

    Nils Gatzmaga (Freitag, 25 August 2017 11:54)

    Schwierig aus der Ferne zu beurteilen. Es klingt aber nach einer extrem belastenen Phase für Ihren Sohn. Woher der Tiefpunkt kommt, kann ich nicht beurteilen. Seien Sie auf jeden Fall da für Ihren Sohn und unterstützen Sie ihn bei all seinen Entscheidungen.