Psychologische Aspekte der Halbzeit

Wie kann der Trainer die Halbzeit optimal nutzen, um das Spiel seiner Mannschaft für die 2. Halbzeit zu korrigieren? Welche Faktoren sollte er beachten? Was brauchen die Spieler neben den taktischen Informationen noch? Ein Blick in die Vorgänge innerhalb der Kabinen während der Halbzeit.

Während im Handball oder Basketball der Coach mehrere Time-Outs nehmen kann, um seiner Mannschaft taktische Handlungshinweise zu geben, hat der Fußballtrainer nur EINE Chance - die 15 Minuten der Halbzeitpause. Daher sollte diese Gelegenheit optimal genutzt werden, um das Spiel entscheidend zu beeinflussen. Jürgen Klopp benutzt zum Beispiel Videobilder, um seinen Spielern taktische Korrekturen für die 2. Halbzeit zu geben. Wie können sie den Gegner knacken? Wo sind die Schwächen des gegnerischen Systems? Was haben wir falsch gemacht in der 1.HZ? Welche taktische Vorgabe wurde evtl. nicht erfüllt? Linz, Schliermann und Hülß haben dazu, die Charakteristika der Halbzeit analysiert und Praxistipps für den Fußballtrainer formuliert.

Welche Prozesse spielen eine Rolle in der Halbzeit?

Die taktische Analyse nimmt eine bedeutende Position ein. Denn nur in der Kabine kann der Trainer in Ruhe die Hinweise sachlich formulieren. Am Spielfeldrand ist sein Einfluss in dieser Hinsicht nur gering. Die Dynamik des Spiels und die Akustik im Stadion verhindern eine tiefe Mannschaftsanalyse. Gleichzeitig müssen sich die Spieler von den ersten 45 Minuten geistig und körperlich erholen, den "Akku wieder auftanken". Die Physiotherapeuten stellen energiereiche Getränke bereit und kümmern sich gegebenenfalls um kleinere Beschwerden. In der Praxis ist immer wieder zu beobachten, wie sich Trainer von ihren Emotionen überwältigen lassen und dadurch taktische und regenerative Prozesse vernachlässigt werden.
Schliermann und Hülß vergleichen bei ihrer Vorstellung des optimierten Pausenverhaltens des Trainers die Halbzeit mit einer Schleuse. Demnach kann die Halbzeit im Fußball mit einer Schleuse in der Schifffahrt verglichen werden, denn Schleusen sind Räume zwischen zwei Systemen, die einem helfen, optimal von System 1 in System 2 zu gelangen. Die Gestaltung des Übergangsbereichs der Halbzeit spielt also eine maßgebliche Rolle, wie die Mannschaft in System 2 (die zweiten 45 Minuten) einsteigt. Aus seinen Erfahrungen definiert Linz einen Zeitraum von 10-12 Minuten, die Trainer und Mannschaft bleiben, sich in der Kabine von Halbzeit 1 zu erholen und sich auf Halbzeit 2 taktisch und mental einzustellen.

Phase 1: Sich und Spieler runterfahren, sachlich analysieren - Klarheit gewinnen - Dauer: 2-3 Minuten

Linz empfiehlt, sich für die erste Phase des Cooling Downs 3-4 Minuten Zeit zu geben. So kann der Trainer sich selber beruhigen und seine Gedanken sammeln. "Abstand von seinen Emotionen gewinnen" ist hier das Stichwort. Durchatmen und den Kopf frei bekommen. Hierzu fällt mich noch das Stichwort "Routine bzw. Ritual" ein. Wenn der Trainer ein festes Ritual hat, wie er die ersten Minuten nach dem Halbzeitpfiff handelt, gewinnt er Kontrolle über sein Handeln. Denkbar ist zum Beispiel der Gedankenaustausch mit seinem Co-Trainer, der Griff zur Wasserflasche etc.

Gleiches gilt für die Spieler. Auch sie brauchen Zeit, um den Spielstress herunterzufahren und miteinander zu kommunizieren. Gezielte Entspannungstechniken, die den Spieler wieder in einen klaren und konzentrierten Zustand versetzen, können hier bei Bedarf eingesetzt werden.

Phase 2: Wichtige Handlungshinweise zur Taktik und Einstellung geben (mannschaftlich und individuell) - Dauer: 5-6 Minuten

Es folgt die wichtige Phase, die Einstellung und Spielweise der Mannschaft in Halbzeit 1 zu bewerten und taktische Informationen handlungsorientiert zu vermitteln. Was ist gut gelaufen in der 1. Halbzeit? Was müssen wir besser machen? Wo liegen die Schwachstellen des Gegners? Wichtig ist hierbei, die Spieler nicht mit Informationen zu überladen. Linz empfiehlt hierzu 4-5 wesentliche Punkte anzusprechen. Zudem lohnt es sich, einzelne Spieler direkt anzusprechen und ihnen konkrete Handlungstipps zu geben. Die Trainer können an gute Szenen aus Halbzeit 1 erinnern. Nach einer schwachen Hälfte kann der Fokus auf die eigenen Stärken aus dem Training oder anderen Spielen Zuversicht und Selbstvertrauen bei den Spielern erzeugen.

Phase 3: Seine Spieler aktivieren bzw. emotional einstellen - Dauer: 2 Minuten

In dieser Phase steht die körperliche und mentale Aktivierung im Vordergrund. Motivierende Anweisung , wie "Los jetzt, den zeigen wir, was wir können!", "Auf geht’s, jetzt schalten wir drei Gänge höher" oder auch "Es steht 0:0. Wir fangen wieder ganz von vorne an. Wir haben noch nichts verloren." Zudem können positive Bilder hervorgerufen werden (siehe Visualisierung), die Kampfgeist und Selbstvertrauen vermitteln. Des Weiteren bietet es sich an, die Spieler bewusst körperlich über kleine Sprints auf der Stelle zu aktivieren. Musik, ein Mannschaftskreis, jeden Spieler abschlagen etc. der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, um die "Betriebstemperatur" hochzufahren.

Schlussbetrachtungen

Am Ende dieser Phase sollte Ihre Mannschaft wissen, was sie konkret zu tun hat und den Glauben haben, dies auch umsetzen zu können. Natürlich muss die Ansprache je nach Spielsituation angepasst werden. Liegt die Mannschaft im Rückstand, sind vor allem taktische Hinweise entscheidend, die Betonung der eigenen Stärke und die Überzeugung, das Spiel noch drehen zu können.

Im Gegensatz dazu muss der Trainer dem Spannungsabfall bei einer klaren Halbzeitführung entgegenwirken. Denn Selbstzufriedenheit kann Motivation und Konzentration negativ beeinflussen. Daher sollten auch im Falle einer Führung neben den Stärken auch die kleinen Defizite aus Halbzeit 1 angesprochen werden. Was können einzelne Spieler noch besser machen? Neue Handlungsziele können ebenfalls die Konzentration hochhalten ("Kein Gegentor in Halbzeit 2").

Abschließend sei auf die Empfehlung von Linz hingewiesen, die Ansprachen variabel zu gestalten, um monotonen und langweiligen Abläufen entgegenzuwirken, wie z.B. leise oder laute Ansprachen, Ansprachen vom Kapitän etc.

Und zum Schluss mit einem kleinen Augenzwinkern ein Blick in die Kabine des FC Liverpool im CL Finale gegen den AC Mailand.. enjoy the English humour!

Autor: Nils Gatzmaga

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Kommentare: 11
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