Video: "Umgang mit Druck"

Wie gehst Du mit Druck um? Hattest Du schon mal das Gefühl, dass Deine Beine auf einmal ganz schwer werden? Wie regelst Du Deinen Energiehaushalt? In diesem 4-minütigen Demo-Video stelle ich Euch einen besonderen Athleten vor, der in der Vergangenheit große Niederlagen erleiden musste. Die Erwartungen in den Medien waren riesig, vielleicht auch seine eigenen. Doch er hat gelernt, mit dem Druck umzugehen..

Bevor ich weiter über das Video, den Athleten und die sportpsychologischen Fragestellungen berichte, schaut Euch doch das Video zuerst einmal selbst an.

Hintergrundinfos zum Video

Vorweg: Auf das Video bin ich durch ein Interview des Kommunikationstrainers von Felix Neureuther aufmerksam geworden. Meinen Bericht zum Interview bzw. das Interview findet Ihr hier:

  • Den kompletten Harlem Shake von Felix Neureuther findet Ihr hier auf youtube.
  • Das Zitat "Ich habe die schönsten Schwünge auf der Welt...." stammt aus dem Interview vom dem Kommunikationsberaters von F. Neureuthers
  • Am Ende gewann F. Neureuther die Silbermedaille und wurde nur vom überragendem Marcel Hirscher geschlagen. Übrigens sind beide wenige Wochen später gemeinsam im zdf-sportstudio aufgetreten.
  • Die Ergebnisse zur Slalom Ski WM 2013 sind hier.

Meine Fragen und Deine Gedanken zum Demo Video

Viele renommierte Sportpsychologen gehen am Anfang so vor, dass sie den Athleten helfen über gezielte Fragestellungen, sich selber besser einschätzen zu können und neue Blickwinkel auf ihr Sporterleben zu finden.

 

Wenn Du Lust hast, nimm Dir einen Moment Zeit (5-10 Minuten), bewaffne Dich mit Stift und Papier und schreibe Stichpunkte zu folgenden Fragen:

  • Was fällt Dir zum Thema Druck ein? Wann verspürst Druck? In welchen Situationen ist es ein gutes Gefühl? Wann und wie hindert Dich Druck Deine beste Leistung zu zeigen?
  • Welche Erwartungen hast Du in Deinem Sport? Welche Erwartungen hast Dein Umfeld? Wie gehst Du mit Niederlagen um? Was bedeutet Erfolg im Sport für Dich?
  • Was machst Du vor einem wichtigen Wettkampf? Versuchst du dich locker zu machen, oder regelst Du Dich hoch?
  • Welche Gedanken gehen Dir vor und während des Wettkampfes durch den Kopf? Welche Gedanken helfen Dir? Welche bringen Dich von Deinem Fokus ab?
  • Was motiviert Dich Deinen Sport zu leben? Was macht Dir daran Spaß?

Auf welche Aspekte kannst Du achten?

Es wäre an dieser Stelle zu versprechen, einem Lösungsweg aus der Ferne des WorldWideWeb vorzustellen, der für jeden gemacht ist. "Jede Jeck ist anders." Diese rheinsche Lebensweisheit gilt auch für die Sportpsychologie. Allerdings werde Dir einige Aspekte vorstellen, auf die Du Deine Leistung hin überprüfen kannst.


Sich nur auf Ergebnisse zu konzentrieren, kann dich lähmen. Setze dir kleine Handlungsziele und verspüre die Freude an deinem Sport.

Inzwischen haben viele Studien gezeigt, dass eine gesunde Mischung aus Ergebnis- und Prozesszielen den Athleten am besten motivieren. Klar, ohne die große Vision eines Tages auf dem Treppchen zu stehen oder gar den Pokal hochzuhalten, geht es nicht. Aber gerade im langwierigen Trainingsalltag ist es wichtig, sich kleine Handlungsziele zu setzen und die Freude am Trainieren bewusst zu erleben. Ob über kleine Späße mit den Teamkameraden, sich gegenseitig anzufeuern oder das Gefühl von Adrenalin in Deinen Adern - solche Momente sind wichtige Bestandteile Deines Sporterlebens.


„Ich habe die schönsten Schwünge der Welt, und ich mache sie für mich! Welche Plazierung am Ende herauskommt, ist mir erst mal egal.“


Dieses Zitat von Felix N. veranschaulicht die Theorie sehr schön. Eindeutig liegt der Fokus dieses Gedankens auf der Handlung "schöne Schwünge zu schwingen". Ergebnisse, der Gedanke an den Sieg oder eine mögliche Niederlage zählen nicht bzw. werden ausgeschaltet.

Den richtigen Gedanken kann man trainieren

Ich kann nur spekulieren, inwieweit Felix N. den oben zitierten Gedanken in seine eigene Wettkampfroutine eingebaut hat. Generell gilt: Für einen Slalomfahrer ist dieser Gedanke ein schönes Beispiel, wie die Handlungsorientierung im Selbstgespräch den Fokus auf das "Hier und Jetzt" legen kann. Stehst Du da oben am Start und denkst an die Niederlage und den Sieg, verlierst Du Energie für deine aktuelle Aufgabe - selbstbewusst und konzentriert den Start vorzubereiten.

Der Gedanke an die schönen Aspekte Deiner Leistung kann in solchen Momenten die nötige Lockerheit hervorrufen. Um sich gegen plötzlich auftretende Störgedanken wehren zu können, ist die Stop-Schild-Technik bestens zu empfehlen. Schliermann und Hülß haben dazu einen roten Faden beschrieben, wie Du Dein Selbstgespräch optimal trainieren kannst.

  • Vorübung: Negative Gedanken erkennen und aufschreiben: Welche negativen Gedanken hast Du vor dem Start/ im Wettkampf? Worüber fängst Du an zu grübeln?
  1. Übung: Schließe Deine Augen und denke bewusst an die oben herausgefundenen Störgedanken. Stelle Dir jetzt im Geist ein rotes Stopschild deutlich vor. Das kann das Verkehrrschild sein oder Du fokussierst Dich total auf die Buchstaben. Das Signal muss "Stopp" bzw. "Halt" signalisieren. Hast Du gemerkt, wie Dein Grübeln unterbrochen wurde? Wiederhole den Vorgang noch einige Male.
  2. Übung: Nehme Dir in den nächsten Tag Zeit, die Übung aus Schritt 1 zu wiederholen. Augen schließen, Störgedanken aufrufen und Stopp-Schild hervorrufen. Wenn Deine Störgedanken jetzt unterbrochen sind, stelle Dir jetzt die Situation vor, in der diese Störgedanken vorkommen. Erlebst Du sie vor dem Spiel? Vor dem Start? Im Spiel? Wichtig ist jetzt, dass Du Dir ein Detail Deiner Aufgabe suchst, dass Dich wieder auf Deine Handlung ausrichtet. Was ist Deine Aufgabe im Spiel? Welche Stärken kannst Du heute zeigen? Worauf freust Du Dich? Wie kannst Du Deine Stärken zeigen?
  3. Übung: Same proceure as exercise 2 - aber anstatt das Stopp-Signal klar im Geist zu sehen, kannst du es durch das Wort "Stopp" oder "Halt" ersetzen, dass Du entweder in Gedanken Dir sagt oder leise vor Dir hersprichst. Die Absicht ist es, dass Du schnell vom negativen in den Handlungsmodus umschalten kannst. Denn gerade im Spiel zählt jede Sekunde.
  4. Übung: Wende die Stopp-Schild-Technik im Training und Spiel an. Probiere Deine neuen Fähigkeiten aus!

Wieso kann das funktionieren?

Aus meiner Sicht greifen hier vor allem zwei psychologische Wirkmechanismen:

  • Der berühmte "Kenn ich, kann ich"-Effekt. Wenn Du Dich schon zuhause und im Training mit dieser Übung beschäftigst, gewinnst du Selbstsicherheit, die Dir hilft, mit den negativen Gedanken im Wettkampf/ vor dem Spiel besser umzugehen. Das Stichwort ist allerdings Training. Ohne eine längere Übungsphasen wird es nicht funktionieren. Pro Tag 5-10 Minuten über einen Zeitraum von 2-6 Wochen scheint angemessen.
  • Das Unterbewusstsein lässt sich durch Training beeinflussen. Und unser Unterbewusstsein beeinflusst zu einem gewissen Grad unser Handeln im Hier und Jetzt. Umso häufiger trainieren, desto eher entwickelt sich der gedankliche Automatismus, dass wir beim Wort "Stopp" oder dem Bild unser Handeln sofort auf unsere aktuelle Aufgabe ausrichten.

Autor: Nils Gatzmaga

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Kommentare: 2
  • #1

    FRESHOBEAT (Samstag, 13 April 2013 10:40)

    Hört sich wirklich Interessant an,werd das beim nächsten spiel ausprobieren.Hammer Video :)

  • #2

    Nils Gatzmaga (Samstag, 13 April 2013 18:39)

    Bin gespannt auf Deine Erfahrungen - Hat es Dir geholfen?