Was sagen Mourinho und Streich über Druck?

Wie gehen Trainer geschickt mit Druck um? Heute möchte ich Euch zum Thema "Druck im Fußball" eins meiner Lieblings-Videos auf youtube zeigen: "Jose Mourinho at his best". Seine Antwort auf die Frage des Reportes, ob er nach 2 Niederlagen Druck verspüre, ist legendär. In der Sportpsychologie nennen wir so eine Technik "Reframing". Dabei geht darum, dass wir mit einer einfachen Umbewertung der Dinge unser Druckempfinden reduzieren können. Ein weiteres Vorbild zum Thema "Druck im Fußball" ist Christian Streich, wie Ihr in meinem 2. Video sehen könnt!

Pressure of what ?!?

"Druck im Fußball" kann mehrere Ursachen haben, das gilt für Trainer und für Spieler.

  • Die eigene Erwartungshaltung ("Ich muss heute ein Tor schießen" oder "Wir müssen heute gewinnen.")
  • Die Erwartungshaltung aus dem näheren Umfeld ("Das Team muss heute gewinnen, sonst wird es schwierig für unseren Trainer." oder "Mein Sohn, heute musst du ein ganz großes Spiel zeigen, sonst werde ich dich nicht mehr unterstützen!")
  • Der Nominierungsdruck ("Hoffentlich spiele ich heute, sonst bin ich weg von der Bildfläche." oder "Wann bekomme ich endlich ein neues Vertragsangebot?")
  • Der Druck der Medien über Schlagzeilen, Schulnoten und Interviews.

Letzteren Aspekt greife ich in dem Video über Jose Mourinho wieder auf. Wie er eiskalt, tiefblickend, fast schon philosophisch auf die Reporterfrage antwortet, ist lehrbuchreif für jedes sportpsychologische Training. Doch genug der Einführung, seht es Euch selber an!

Sicherlich werden die Niederlagen zu dem Zeitpunkt Mourinho geärgert haben, sicherlich wird hinter verschlossenen Türen Tacheles geredet worden sein und möglicherweise wird er vor dem nächsten Spiel etwas angespannter sein als sonst.

Allerdings schützt er sich mit seiner eiskalten Anwort vor dem medialen Druck in dieser konkreten Situation. Er lässt einen verdutzten Reporter zurück, blockt das Thema clever ab und schützt damit auch sein Team vor der Presse. Nicht die Niederlagenserie, sondern die psychologische Umbewertung von Mourinho steht auf einmal im Fokus. Seine Körpersprache, Mimik, Blickkontakt und Präzsion der Antwort unterstützen zudem den Effekt des verbalen Rückschlags.

Erfolg kommt dann, wenn Du gut arbeitest!

Nicht mehr und nicht weniger. So erklärt Christian Streich, dass die Forderung bzw. der Gedanke "Gewinnen zu müssen" schnell ins Gegenteil ausschlagen kann. Aus sportpsychologischer Sicht ist diese Herangehensweise höchst empfehlenswert. Denn "Gewinnen zu müssen" kann die Spieler und Trainer schnell verkrampfen, in Versagensängste stürzen und so die physische Leistungsfähigkeit blockieren. Schauen wir uns mal an, wie Streich es aus seiner Sicht vor dem Pokalhalbfinale gegen Stuttgart beschreibt:

In meinen Augen bringt Streich sein Statement zu Druck im Fußball absolut authentisch rüber. Für ihn ist völlig klar, dass ein "Gewinnen müssen" keinen Sinn macht. Der Erfolg würde sich schon einstellen, wenn sich die Mannschaft auf die akribische Trainingsarbeit fokussiere. Das Ergebnis hänge zudem von vielen Faktoren (Gegner, Zufall, Schiri etc.) ab, die eine Mannschaft nicht immer beeinflussen können - wenn es also mal blöd läuft, kann man trotz harter Arbeit immer mal verlieren. Nichtsdestotrotz: Langfristiger Erfolg kommt dann, wenn man gut arbeitet. Punkt.

Mein Fazit - Deine take-home-message

Mir waren diese beiden Statement insofern wichtig, als dass sie die Erwartungshaltung herunterschrauben, ob unsere eigene oder die von anderen. Wenn wir uns von unserem Ergebnisdenken bzw. das Ergbnisdenken anderer befreien können, gewinnen wir wichtige Kraft für unseren eigentlichen Trainingsaufgaben. Eigene Maßstäbe entwickeln - seine eigene Erfolgsdefintion finden - sind solche Impulse, die Euch helfen können, befreit und voller Selbstvertrauen auf dem Platz Eure bestmögliche Leistung zu zeigen.

 

Zu diesem Thema kann ich 3 weitere Artikel in meinem Blog empfehlen:

Autor: Nils Gatzmaga

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