Meine Take-Home-Message der ASP-Konferenz

Inspirierendes Event
Inspirierendes Event

Wenn 260 Sportpsychologen zusammen kommen…. Dann rappelts im Karton, sprich es wird jede Menge kommuniziert! Das beschreibt meine Eindrücke ganz treffend. Neben vielen interessanten Anregungen aus den Vorträgen (mein schrägstes Highlight: Beratungsgespräch auf einem Fahrradergometer) waren in meinen Augen die Gespräche auf den Gängen und abends bei einem Bierchen DIE entscheidenden Impulse für meine Arbeit. Was ich für die Entwicklung unserer jungen Sportpsychologen-Generation besonders wichtig finde, könnt Ihr hier nachlesen.

Remember Ericssons 10 year rule!

Sportpsychologe Roland Seiler
Sportpsychologe Roland Seiler

Roland Seiler wies in der Podiumsdiskussion „Perspektiven der sportpsychologischen Ausbildung“ darauf hin, dass wir selbst als Absolventen eines akademischen Masterstudiums noch am Anfang unserer Entwicklung als Sportpsychologen stehen. Stichwort: „Praxiserfahrung!“. Die akademische Ausbildung ist die eine Seite. Die Arbeit im Feld – die praktische Ausbildung eine andere.

Bevor wir uns also selber als die „Cracks“ der Sportpsychologie versuchen zu profilieren, scheint etwas Demut ganz angebracht. Es ist halt nicht der normale „9-to-5“-Job, wo wir nach einem BWL-Studium in einen Großkonzern einsteigen, und direkt viel Geld verdienen. Die Entwicklung eines Sportpsychologen gestaltet sich da etwas zäher und langatmiger. Diese Bedingungen sollten wir bei unserer Entscheidung über unsere berufliche Zukunft kennen und akzeptieren.

 

Natürlich bleibt uns ja nichts anderes übrig, als auch mal ins kalte Wasser zu springen. Also ohne langjährige Berufserfahrung sich auszuprobieren. Hier gilt in meinen Augen die Devise: „Kleine Brötchen backen.“ Gerade im semiprofessionellen Bereich oder auch finanziell schwachen, aber professionellen Leistungssport,  gibt es viele Sportler und Trainer, die offen sind für Sportpsychologie. Zwar sieht die Bezahlung sehr mau aus, aber dafür trefft Ihr auf ein optimales Lernklima. Daher sammelt Eure Stunden und nähert Schritt für Schritt Euch Ericssons 10.000h Marke.

Focus on your expertise and passion!

Eine der größten beruflichen Fallen, auch für etablierte Sportpsychologen, ist die Überzeugung, alle Gebiete der Sportpsychologie und alle Sportarten in der gleichen Qualität bedienen zu können. Allein schon mit Ericsson-10-Year-Rule lässt sich diese Annahme wiederlegen. Sucht Euch daher Eure Kerngebiete, vor allem zum Anfang.

 

In welchen Sportarten kennt Ihr Euch besonders gut aus? Welche Techniken habt ihr bereits öfters erprobt? Was könnt Ihr nicht? Wo, wann und in welcher Sportkultur fühlt Ihr Euch wohl? Wo unwohl? Eher Individual- oder Mannschaftssportarten? Ihr müsst hier keine schwarz-weiß-Entscheidungen treffen. Aber die Fragen können Euch helfen, Euer eigenes Profil zu schärfen.

Profile yourself, before you profile somebody else!

In Anregung auf die Diskussion etablierter Sportpsychologen über ihre Fehler in der Praxis und welche Lehren sie daraus ziehen, betonte Babette Lobinger die Notwendigkeit, sein eigenes Profil zu schärfen. Neben der sportpsychologischen Ausrichtung sind vor allem finanzielle Aspekte von großer Bedeutung. Wofür will ich Geld nehmen? Wie viel? Welche Dienstleistung kostet wie viel? Denn aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass die Aufgaben des Sportpsychologen sehr vielseitig sein können. In meinen Augen präsentieren wir uns seröser, wenn wir als freiberufliche Sportpsychologen für eine reine Wettkampfbeobachtung weniger Geld verlangen als für ein intensives Einzelgespräch.

 

Weitere wichtige Fragen: Wie möchte ich mich präsentieren? Mit wem möchte ich arbeiten? Wie passe ich mich an, ohne mich zu verbiegen? Welche Argumente sprechen für Dich? Warum sollte der Trainer Dich aus der Masse an jungen innovativen Sportpsychologen auswählen?

 

Soweit meine Gedanken zur Ausbildung zu einem professionellen und seriösen Sportpsychologen. Was ist Eure Meinung dazu? Lasst uns darüber austauschen! Ob per Mail, Kommentar, Facebook - die Kanäle sind offen!

Autor: Nils Gatzmaga

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