Mit Ungerechtigkeit leben lernen Teil I

Immer wieder erlebst du Momente als Sportler, welche du nicht kontrollieren kannst. Der Schiedsrichter, der Kampfrichter oder eine Jury entscheiden; du musst diese oftmals hinnehmen. In diesem Artikel lernst du einen Sportler kennen, der mit einer strittigen Schiedsrichterentscheidung hadert und sich dabei selber völlig rausbringt. Was kannst du tun, damit du in einer ähnlichen Situation mit mentaler Stärke diese meisterst?

Die Idee zu diesem Artikel kam mir vor ein paar Wochen als ich im Internet auf ein Video stieß mit dem Titel „Tennis Meltdown of the Year“ (deutsch: Tenniszusammenbruch des Jahres). Zum Nacherleben habe ich das Video am Ende des Artikels beigefügt.

Was war passiert?

In der zweiten Runde des ATP Masters 1000 Turniers in Rom spielte der Serbe Viktor Troicki gegen Ernest Gulbis aus Lettland. Gulbis gewann den ersten Satz relativ deutlich mit 6:1.

 

Die Szene, welche zum „Meltdown“ führte ereignete sich zu Beginn des zweiten Satzes. Troicki ist erneut unter Druck, muss im ersten Spiel des zweiten Satzes direkt einen Breakball abwehren. Eine Rückhandrallye entwickelt sich, als Troicki einen sehr langen Rückhandball cross spielt. Weder die Linienrichter, noch Gulbis machen Anzeichen, dass der Ball aus sein könnte. Der Schiedsrichter jedoch macht von seinem Recht des „Overrulens“ Gebrauch und gibt den Ball aus. Es muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass dieses Turnier auf Sand gespielt wurde, das heisst Ballabdrücke sind sehr deutlich auf dem Boden sichtbar zu erkennen

 

Für Troicki war dies ein denkbar schlechter Beginn: Nach dem schnellen Verlust des ersten Satzes lag er prompt wieder ein Break zurück; ein unglücklicher Start.

Der Anfang vom Ende

Gulbis schreitet sofort zur Bank, Troicki wirkt irritiert und fragt den Schiedsrichter, ob er den Abdruck sehen darf. Der Schiedsrichter bejaht dies und gemeinsam schauen sie sich den Ball an. Ab dem Moment wird es kurios, oder von einer anderen Perspektive betrachtend, tragisch.

 

Als Troicki seinen Ballabdruck sieht, verliert er komplett die Fassung. Immer wieder schreit er den Schiedsrichter an, kann nicht glauben, dass dieser den Ballabdruck im Aus sieht. Es steigert sich weiter; Troicki ist so wütend, dass er ein Kamerateam mit auf den Platz zerrt, damit diese eine Aufnahme vom Abdruck machen können. Die Zuschauer johlen, sind „entertained“, der Schiedsrichter scheint merklich angenervt vom Verhalten Troickis, Gulbis wirkt komplett unbeindruckt. Die Videosequenz endet kurz darauf; genauso übrigens das Match, denn Troicki verlor den zweiten Satz sang und klanglos mit 1:6.

Was kannst Du aus solchen Situationen lernen?

Warum habe ich mir das Beispiel für mein Thema „Mit Ungerechtigkeit leben lernen“ ausgesucht? Weil es eine Situation darstellt, der Sportler aus verschiedensten Sportarten immer wieder ausgesetzt sind. Der unberechtigte Abseitspfiff, die nicht nachzuvollziehenden geringen Jurypunkte beim Eiskunstlaufen oder Turmspringen, die strittige Diqualifikation beim Gehen,…Immer wieder sind wir einer vergleichbaren Situation ausgesetzt, aber nicht immer wieder müssen wir an ihr scheitern. Ich schreibe diesen Artikel, weil ich dir Wege zeigen möchte, wie du es schaffen kannst beim nächsten Mal so eine Situation zu meistern, anstatt an dieser zu verzweifeln.

Hast du ein déjà-vu erlebt, beim Lesen des Artikels? Hast du schon mal einen ähnlichen Moment erlebt? Oder hast du eine Idee, was Troicki hätte machen können, um seinen Fokus hochhalten zu können, um im Match zu bleiben? Nächste Woche werde ich meine, aus der Theorie und Praxis zusammengestellte Lösungsansätze, hier vorstellen. Aber du hast sicher auch Ideen, wie man mentale Stärke in solchen Momenten zeigen kann.

 

Die Fortsetzung meines Artikels findest du hier.

 

Autor: Henning Thrien

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Kommentare: 2
  • #1

    psychologie-fussball (Mittwoch, 29 Mai 2013 09:51)

    Super Beispiel, wie unkontrollierter Ärger die eigene Performance zerstören kann. Welche Frage sich mir bei der Betrachtung der Szene als erstes gestellt hat: Kann/Darf der Trainer seinen Spieler in solch einer Ausnahmesituation ansprechen/ermahnen/beruhigen?
    Was ich bei einigen Tennisspielern beobachten konnte, wie sie ihren Ärger loswerden, ist der Schrei ins Handtuch! Das befreit, löst die Anspannung und pustet die negativen Gedanken weg, um wieder den Fokus auf das Hier und Jetzt legen zu können!

  • #2

    Henning (Mittwoch, 29 Mai 2013 23:31)

    Eine gute Frage, auf die es viele Antworten gibt. Bei dem Szenario welches wir im Video sehen, ist die Antwort Nein. Auf dem ATP-Level, sowie auf dem nationalen Turnierlevel (nach strenger Regelbuchauslegung) dürfen Spieler nicht mit ihren Trainern kommunizieren. Bei einem Davis-Cup Spiel, oder einem Punktspiel (Bundesliga, Regionalliga, etc.) geht das schon. Es dürften aber theoretisch Betreuer aus der Box ein paar Sätze zum Spieler sagen, bzw. der Spieler hat die Möglichkeit den Platz zu verlassen um zum Beispiel zur Toilette gehen zu können.