Mit Ungerechtigkeit leben lernen Teil II

Emotionale Momente, wo wir uns nur schwer beherrschen können. In der Fortsetzung meines Artikel "Mit Ungerechtigkeit leben lernen" zeige ich dir einige Wege auf, wie du eine ähnliche Situation clever meistern kannst. Die Frage ist, wie gehst du mit einer Entscheidung um, die unveränderlich ist? Wie kannst du dich vom Ärger befreien und deine ganze Energie auf dein Spiel richten?

Mentale Stärke in entscheidenden Momenten! Oft ist es genau diese, die den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmacht. Ganz besonders in Momenten, welche emotional so aufreibend sind, wie im Video gesehen.

Ziel dieses zweiten Teils meines Blogg-Artikels ist es, praktische Tipps für ähnliche Situationen zu vermitteln. Situationen, wo der Sportler wohlmöglich im Recht ist, aber jemand anders die finale Entscheidung trifft. Einer Situation, wo der Sportler lernt, mit Ungerechtigkeit leben zu lernen.

 

Aus sportpsychologischer Sicht würde ich Troickis mentale Verfassung wie folgt beschreiben:

 

Der Spieler befindet sich nicht in seiner optimalen Zone. Das bedeutet, dass sein Erregungslevel zu hoch ist, um in dem Moment seine maximale Leistung abzurufen. Dies äußert sich durch sein hochemotionales Verhalten (Schreien, Reklamieren, Kameramann auf den Platz holen) und durch den schnellen Verlust des zweiten Satzes.

 

Gleichzeitig ist die dargestellte Situation ein Moment von extremen Stress für den Sportler. Die Einflüsse auf den Sportler (Verlust des ersten Satzes, frühes Break im zweiten Satz, Fehlentscheidung vom Schiedsrichter) überfordern die mentalen Kapazitäten des Sportlers. In der Psychologie spricht man von sogenannten „Bedrohungen“, welche physische, und psychische Reaktionen produzieren. Diese können die Leistungsfähigkeit des Spielers beeinträchtigen, was gleichzeitig den Stresslevel weiter erhöhen kann.

Was kannst du tun, damit dir etwas ähnliches nicht auch passiert:

Konzentriere dich auf das, was du kontrollieren kannst.

 

Eine Schiedsrichterentscheidung ist meistens eine finale Angelegenheit. Egal wie ungerecht und falsch diese manchmal erscheint, am Ende bleibt einem nichts anderes übrig, als diese zu akzeptieren. Ein wichtiger Gedankengang dabei ist: „Ich kann die Entscheidung nicht verändern. Ich muss diese akzeptieren. Aber ich kann selber entscheiden, wie die nächsten Ballwechsel aussehen werden. Ich kontrolliere mein Handeln.“ Zugegeben, dies klingt sehr einfach in der Theorie. Aber auch im Match ist eine solche Umbewertung einer Situation simpel anzuwenden. Trainierbar ist sowas in jedem Training: Wenn eine Einheit nicht so läuft wie du es dir vorstellst, frage dich folgende Fragen während einer kurzen Pause: „Was kann ich tun, um das Training zu verbessern? Wie kann ich die Kontrolle über meine Schläge bei der nächsten Übung wieder verbessern? Was kann ich besser machen, anstatt mich laut aufzuregen?“ Solche kleinen Erinnerungshilfen sind manchmal schon ausreichend um die Perspektive auf eine Situation zu verändern und Gedanken wieder zielgerichtet fließen zu lassen

 

Ausgangspunkt ist das Akzeptieren von unveränderbaren Entscheidungen. Auch das kannst du im Training simulieren: Ein praktischer Vorschlag:

Lerne mit Fehlentscheidungen im Training umzugehen!

Bitte deinen Trainer bei der nächsten Punkteübung/Wettkampfsimulation die Regeln kontinuierlich zu ändern und auch zu entscheiden, ob bei einfachen Fehlern ein Punkt wiederholt werden sollte oder nicht. Gleichzeitig hat der Trainer auch die Möglichkeit, einen Spieler öfter mal offensichtlich mit seinen Entscheidungen zu benachteiligen, das heisst der Trainer entscheidet, ob der Ball gut oder aus war.

Achte auf deine Reaktion, wenn du benachteiligt wirst. Dann denke an die Tipps vom vorherigen Absatz und konzentriere dich auf das, was DU alleine kontrollierst.

Deine Bank ist dein Ruhepool

Entspanne dich an einem für dich ruhigen Ort. Ob auf der Profitour, oder auf dem nationalen Level: Ein Spieler hat die Möglichkeit eine Verletzungspause zu nehmen und den Physiotherapeuten zu rufen (auf dem nationalen Meisterschaftslevel kann dies auch ein Teamkollege sein). Lass dich massieren, schließe deine Augen und atme tief durch.

(Kleiner Tipp: Du findest hier auf der Seite einige Techniken, mit denen du dich selber beruhigen kannst, bzw. deine Gedanken ordnest; Stichwort PMR, STOPP-Schild Technik).

Wenn du ein Handtuch hast nimm dies vors Gesicht. Wenn es dir hilft schrei deinen Ärger raus, oder rege dich bei deinem Teamkollegen über so viel Ungerechtigkeit auf. Denke daran: Diese Bank ist der Ort an dem du deine Kraft zurückholst. Wenn du aufstehst um den nächsten Ballwechsel zu spielen, hast du alles was war abgehakt! Du konzentrierst dich von nun auf das was kommt! Du spielst jeden neuen Punkt mit dem Fokus auf den jetzigen Moment.

Fazit: Du entscheidest, was du denkst!

Zwei kleine Ratschläge emotional hoch belastende Situationen zu meistern. Ich habe sicherlich nichts bahnbrechend Neues verraten, aber vielleicht einen kleinen Denkanstoß gegeben. Es ist unser Gehirn, was uns zu Höchstleistungen treibt, denn in fast allen Fällen gibt es unseren Muskeln den Befehl zu handeln.

 

Wenn uns etwas aus den Händen zu gleiten droht, weil wir uns extrem aufregen und nicht mehr klar denken können, ist es auch unser Kopf, der uns aus diesen Situationen wieder rausholen kann. Schaffen tun wir das, mit solch kleinen Erinnerungshilfen, Perspektivwechseln und Umbewertungstechniken. Du hast nämlich die Chance zu entscheiden, was du machst! Die Macht dies zu tun, liegt nur bei dir.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0