The Power of Smalltalk

Podiumsdiskussion beim DFB Wissenschaftskongress
Lockern Plaudern, Beziehungen pflegen und Infos austauschen

Kurz und knapp und doch so wirksam! Heute schaue ich auf die Bedeutung einer guten Plauderei, der lockeren Unterhaltung auf dem Flur, dem Smalltalk im Vorbeigehen. Wir werden sehen: Aktives Zuhören spielt beim Smalltalk eine elementare Rolle. Ob im Leistungsfußball oder im Berufsleben - ein netter Smalltalk kann vieles bewirken. Wir bauen Beziehungen zu Menschen auf, nehmen Einfluss auf eine positive Arbeitsatmosphäre und lenken uns selber vom Stress ab. 

Zunächst einmal ein Dankeschön an Michael Welke, der mir seinen Artikel "Smalltalk und Networking im Leistungssport" aus der Zeitschrift Leistungssport  per Post zugeschickt hat. Sein Artikel inspirierte mich für diesen Blog-Artikel. Schauen wir zunächst auf die Trainer im Fußbalgeschäft.

 

Trainer stehen im Leistungsfußball immer unter dem öffentlichen und clubinternen Druck, Ergebnisse liefern zu müssen. Dieser äußere Stress kann wiederum dazu führen, dass sich Trainer innerlich unter Druck setzen und ständig unter Strom stehen. Ihnen geht sprichwörtlich die Lockerheit verloren.

Bowser fährt Cart am Strand

Das kann dazu führen, dass sie sich häufig selber im Weg stehen, wenn sie im Alltag mit Vereinsverantwortlichen, Mitarbeitern und Spielern kommunizieren. Anstatt eines entspannten, unterhaltsamen Smalltalks, gehen sie den Menschen aus dem Weg und verpassen es, eine herzliche Atmosphäre auf der Arbeit zu initiieren, von der sie letztendlich profitieren würden. Denn gerade im Leistungsfußball, wo jedes Wochenende Ergebnisse geliefert werden müssen und ständig Druck herrscht, hilft es auch mal gemeinsam zu lachen. Das entlastet und bietet allen eine willkommene Abwechslung.

Dieser Gedanke erinnert mich an wichtigen Grundsatz von Schliermann und Hülß (2008) aus der Teamentwicklung:

 

„Bekanntes und uns Ähnliches erzeugt Sympathie und Vertrauen, wogegen Unbekanntes und uns Fremdes eher Distanz, Misstrauen oder gar Ablehnung bewirkt.“

 

Ein kleines Gespräch im Vorbeigehen mit dem Vize-Präsidenten baut Sympathie und Vertrauen auf, so dass die Grundlagen für größere Gespräche, die eines Tages kommen werden, gelegt sind. Ein lustiger Plausch mit den Athleten oder Zeugwart auf dem Weg zum Training kann entspannend wirken und Ausgleich zu den sonst hohen Erwartungen schaffen.

 

Der lockere Smalltalk in der alltäglichen Kommunikation ist daher wichtig, um bestehende Beziehungen zu vertiefen und neue Beziehungen aufzubauen.

Wie gelingt mir ein guter Smalltalk?

I. Schritt - Fragen

Nun, in meinen Augen bedarf es dazu keiner großen Kunst. Prinzipiell würde ich mich an das Motto halten: „Weniger ist mehr“. Ein ganz einfaches Mittel ist es, eine simple Frage zu stellen, die mehr oder weniger in den Kontext passt und meinen Gesprächspartner nicht in Verlegenheit bringt. Aus meinen Erfahrungen sind die Wie? und Was? Fragen immer gut als Gesprächsaufhänger geeignet.

 

Vor allem die Frage „Wie hast du das gemacht?“, „Was ist ihr aktuelles Projekt/ Aufgabe?“, „Wie/ Wo hast du das erlebt?“ oder ganz einfach „Wie läuft es in ..?“ verspricht für alle eine Win-Win-Situation. Zum einen erfahre ich neue Ideen, Techniken, Informationen etc., von denen ich selber lernen kann. Zudem lerne ich meinen Gesprächspartnerbesser kennen, weiß was ihn bewegt und kann Gemeinsamkeiten mit ihm aufdecken. Zum anderen bekunde ich Interesse an der Arbeitsweise meines Gesprächspartners, der gerne gewillt ist, seine Lösungen vorzustellen. Als weitere Gesprächsaufhänger können kleine Dinge, wie die Kleidung, Logos, Fotos etc. dienen.

Wer A sagt, muss auch B hören!

Mit der Frage ist der erste Schritt getan. Allerdings verpufft der Effekt, wenn wir dann nicht zu hören. Stichwort „Aktives Zuhören“ – Wir haben die Kommunikation eröffnet, also stehen wir auch in der Pflicht, unserem Gegenüber unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Das können wir in erster Linie dadurch erreichen, in dem wir uns voll uns ganz auf die Geschichte des Gegenübers einlassen, sie uns  vergegenwärtigen. Über Augenkontakt, bejahendes Nicken/ Murmeln und eine zugewandte Gesprächshaltung signalisieren wir unser Interesse non-verbal. Wenn es passt, stellt Zwischenfragen. Unterbrecht Ihr allerdings abrupt Euren Gesprächspartner, um über Eure Ansichten zu philosophieren, wird dies offensichtlich als rüde und egozentrisch wahrgenommen.

 

Aber auch der Zuschnitt auf die eigene Person mag passen, wenn ich um den Rat meines Gesprächspartners bitte. Auch hier sehe ich wieder die Win-Win-Situation. Indem ich meinen Gesprächspartner um Rat frage, schätze ich seine Meinung wert. Dabei bedienen wir uns einer tiefverwurzelten Sehnsucht der Menschen: Der emotionalen Sehnsucht nach Anerkennung und Nähe. Weiterhin bekomme ich eine neue Sichtweise auf meine Strategie/ mein Problem, die mir helfen kann es zu lösen.

 

Wie verbaue ich mir meinen Smalltalk?

  • Längere Infos von mir/ über mich/ meiner Meinung – zu Deutsch: Zutexten, Zuquatschen
  • Appelle – Aufforderungen an meinen Gesprächspartner. Vorsicht! Es ist nur ein Small Talk. Ein konstruktives Feedbackgespräch folgt einem roten Faden. Der Small Talk läuft spontan ab.
  • Das Gespräch dominant moderieren. Im Smalltalk geht es um ein spontanes, ungewzungenes Gespräch. Es ist keine Verhandlung. Es ist vielmehr ein Vorspiel, um für zukünftige Verhandlungsgespräche eine stabile Gesprächsbasis zu haben.

Als erstes Zwischenfazit lässt sich sagen, dass die kleinen Gespräche im Leistungssport ein wichtiger Schlüssel für eine positive Arbeitsatmosphäre sein können. Im Grunde geht es darum, Offenheit zu signalisieren, Interesse für seine Mitmenschen zu zeigen, sich auf andere Perspektive einzulassen sowie neue Methoden kennenzulernen, um a) stabile Beziehungen aufzubauen und b) eine positive Arbeitsatmosphäre mitzugestalten. Dabei geht es nicht darum sich anzubiedern, sondern mal mit Humor die Situationen aufzulockern oder sich zurückhaltend auf seinen Gesprächspartner einzustellen. M. Welke drückt es so aus „Im Endeffekt geht es im Smalltalk immer um eine perfekte Konfiguration mit dem Stärke- und Schwächebild meines Gegenübers“.

Reflektiere Dich selbst, bevor Du andere bewertest!

Um diese Konfiguration allerdings erfolgreich zu justieren, sollte ich meinen eigenen Kommunikationsstil besser kennenlernen. Dieser Gedanke knüpft an meine Empfehlung „Profile yourself, before you profile somebody else“ an. Dazu kann ich mich immer mal wieder hinterfragen, wie das letzte Gespräch gelaufen ist. Auf einer Skala von 1-10 (1 - sehr geringe Intensität/ Qualität <-> 10 - sehr hohe Intensität/ Qualität) können die folgenden Fragen gemessen werden:

  • Empathie: Habe ich versucht, mich in meinen Gegenüber hineinzuversetzen? Wie habe ich meinem Gegenüber signalisiert, dass ich ihm zuhöre?
    • Was kann wie ich besser machen?
  • Gesamtbild: Welchen Gesamteindruck habe ich hinterlassen? Wie gut konnte ich meine Aufmerksamkeit auf mein Gegenüber richten?
    • Was war gut? Wo hat es gehackt?
  • Sicheres Auftreten: Wie sicher bin ich aufgetreten? Wo war ich mir unsicher? Konnte ich meine Unsicherheit kaschieren?
  • Flexibilität: Wie flexibel konnte ich auf die Gesprächswendungen reagieren?
  • Sprechtechnik: Wie geschickt habe ich mich ausgedrückt? Konnte ich meine Standpunkt klar und präzise formulieren? Stimmte die Betonung/ Tonlage?

 

Literatur: Welke, M. (2012). Smalltalk und Netzwerkpflege im Leistungssport. Leistungssport, 42 (2), 11-15.

 

Autor: Nils Gatzmaga

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Kommentare: 2
  • #1

    Manuel Kurt Kienitz (Mittwoch, 04 September 2013 19:17)

    Ein herzliches Hallo an alle...

    Diesser Text beinhaltet das sowohl einfachste als auch das schwerste Mittel der heutigen Kommunikation. Auf der einen Seite ist es doch so einfach sich für Leute zu interessieren und einfach mal zu quatschen. Auf der anderen Seite fällt es uns so schwer auf Arbeit ein gutes Gespräch zu führen gerade mit Vorgesetzten. Dieser Text regt an und ist meiner Meinung nach toll geschrieben. Vielen Dank für neue Inspiration Nils Gatzmaga.#

    LG Manuel Kurt Kienitz

  • #2

    psychologie-fussball (Freitag, 06 September 2013 10:35)

    Danke Kurt für Deinen Kommentar! Interessanter Aspekt, den Du hier aufwirfst.

    Ein geschickter Gesprächseinstieg und ein gewisser Gesprächsflow mit einem Vorgesetzten, Chef etc. sind immer wieder neue Herausforderungen, die wir am besten bewältigen können, wenn wir uns erst einmal selber besser kennenlernen. Die Reflexion der eigenen Person und die Bereitschaft an sich zu arbeiten sind in meinen Augen 2 wesentliche Faktoren, damit das Smalltalken locker und ungewzungen verlaufen kann.