Volle Konzentration! Das GANZE Spiel!

Bild: U16 Länderspiel Norwegen - Niederlande

History Repeated!...Vor 9 Jahren verzückte der FC Liverpool die Fußballwelt als es im Champions League Finale ein 0:3 gegen den AC Mailand noch aufholen konnten und schließlich im Elfmeterschießen das Spiel sogar noch gewinnen konnte. Am vorletzten Wochenende hatte Liverpool die Chance nach über 20 Jahren der ersehnten Meisterschaft ein Stückchen näher zu kommen mit einem Sieg beim Aufsteiger Crystal Palace. Als man nach 78 Minuten noch mit 3:0 führte schien dieser wichtige Schritt gegangen worden zu sein. 10 Minuten später stand es 3:3..

Wenn Ihr mögt, könnt Ihr Euch die Spielzusammenfassung auf Youtube ansehen, bevor wir in die sportpsychologische Anlayse gehen.

Innerhalb von 10 Minuten gab Liverpool einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand und verlor realistisch betrachtet alle Chancen auf den Meisterschaftstitel. Nicht nur Sportpsychologen, sondern Fans aus aller Welt fragen sich, wie ein solcher Einbruch zu erklären ist.
Eine Ferndiagnose zu wagen ist schwierig, doch ich möchte kurz zwei sportpsychologische Klassiker nennen, welche zu einer Konzentrationsverringerung führen können:

1. Aufmerksamkeitregulation: Dieser Prozess ist bei der Bildung der Konzentration enorm wichtig, da er das Ausblenden von unnützen Reizen beinhaltet und eine Selektion von relevanten Information stattfindet. Damit ist zum Beispiel gemeint, dass der Torwart sich von Zurufen von den Rängen nicht beinflussen lässt und der Stürmer seine Sorgen von zuhause außerhalb des Platzes belässt.

2. Aktivationsregulation: Viele verschiedene Forscher haben den Zusammenhang zwischen dem Erregungslevel des Sportlers während des Wettkampfes und der Leistungsfähigkeit untersucht. Es besteht zwischen beiden ein enger Zusammenhang. Ein Golfer zum Beispiel braucht viel Ruhe um den entscheidenden Putt zu versenken, ein Boxer wird von den Zurufen beim Kampf hingegen noch mehr angestachelt und braucht ein hohes Erregungslevel um seine volle Leistung abzurufen.

Doch wie passen diese beiden Phänomene zum FC Liverpool?

 

Nun, davon ausgehend, dass eine 3-0 Führung die Spieler dazu veranlasst hat, sich schon im Ziel zu wähnen kann die Aufmerksamkeit von sogenannten relevanten Reizen (Lauf/Passwege der Gegner zustellen, taktische Anweisungen ausführen, etc.) abgenommen haben. Der Psychologe spricht in diesem Zusammenhang von „Shifting“ (engl. umschaltender) Aufmerksamkeit. Relevante Informationen vermischen sich mit irrelevanten und dadurch werden die Basics, welche vorher den Weg zum Sieg ebneten, nicht mehr befolgt. Umgansprachlich spricht man hier auch vom berühmten Faden, der verloren wurde. Spätestens nach dem zweiten Gegentor können gleichzeitig Gedanken auftreten, welche sich mit einem möglichen Verspielen des Sieges befassen. Diese beeinflussen die relevante Aufmerksamkeit dann umso mehr.

 

Befassen wir uns nun mit der Aktivationsregulation. Man sieht in dem Video, wie weit Liverpool beim zweiten Gegentor bei der Ecke aufgerückt ist. Zwei Leute sichern praktisch nur ab. Dies spricht für eine sehr hohe Risikobereitschaft, die möglicherweise für eine hohe Aktivierung („Geil auf das vierte Tor sein“, „Es soll noch was Besonderes ausgeführt werden, anstatt nur solide zu verteidigen“) sprechen könnte. Der angesprochene Zusammenhang zwischen der psychischen/physischen Aktivation und der Leistung wird in diesem Beispiel deutlich. Nach diesem Tor steigt die Nervosität. Dies kann sich durch störende Gedanken äußern wie im vorigen Abschnitt beschrieben, hat aber gleichzeitig auch körperliche Folgen. Die Beine werden schwer, das Luftholen wird schwieriger, da das Herz anfängt schneller zu schlagen und eine gewisse Schwere erfüllt den Spieler. Die Aktivierung ist in jedem Fall nicht mehr leistungsfördernd.

 

Den Artikel begann ich, indem ich schrieb ich möchte keine Ferndiagnose stellen. Die aufgelisteten Beispiele müssen nicht zwangsläufig auf das Liverpool Team 1:1 zutreffen, jedoch decken sich diese Phänomene mit den Berichten von vielen Sportlern und mit Erklärungshinweisen die uns aus der Praxis und der Theorie bekannt sind.

1. Egal wie der Spielstand ist, führe dir immer wieder vor Augen, was deine Aufgabe im Spiel ist.


2. Wenn du merkst, dass deine Mitspieler den einen oder anderen Weg weniger machen, wecke sie auf (Olli Kahn lässt grüßen). Überlegt euch vorher im Training Kommandos, die ihr euch zurufen könnt, damit ihr sofort wieder aufwacht.

 

3. Sprecht mit eurem Trainer solche Situationen im Training an und überlegt euch Wege, damit umzugehen. Wer hat in einem solchen Moment welche Aufgabe, wie zeigt ihr euch als Team?


4. Trainiert Drucksituationen im Training: 2 Minuten in Unterzahl verteidigen 4 vs. 6. Solche Übungen zwingen euch an euer Maximum zu gehen und lehren euch die Mentalität, welche in diesen Moment den Unterschied ausmacht.


5. Schaut euch dieses Liverpool Video als Mannschaft zusammen an. Was hat Liverpool falsch gemacht. Was könnte man gemeinsam machen. Schreibt eure Lösungsvorschläge auf und sammelt diese. So gestaltet ihr euch euer eigenes Worst-Case-Bewältigungs-Paket.

In diesem Sinne,
„Keep your head in the game.“ ~ Henning

 

PS: Hier seht ihr noch eine taktisch-psychologische Analyse von Jamie Carragher and Gary Neville. Ihrer Auffassung nach ließ sich Liverpool nach dem 2:3 zu tief in die eigene Hälfte drängen ("They were asking for trouble."), anstatt mutig und höher zu verteidigen ("Pushing them out."). In dieser Situation fehle es an Kommunikation (siehe Tipps oben) und einer gefestigten Führungshierarchie ("leadership").

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Kommentare: 2
  • #1

    Clint Isaac (Donnerstag, 02 Februar 2017 23:17)


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  • #2

    Makeda Foret (Freitag, 03 Februar 2017 14:00)


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