Die Rolle des Sportpsychologen bei einem Turnier

Hans Dieter Herrmann bei der Pressekonferenz
Hans D. Herrmann bei der PK

Welche Rolle spielt der Sportpsychologe bei einem Turnier? Welche Aufgaben hat er? Inwiefern interveniert er? Zu diesen wichtigen Fragen gibt der Sportpsychologe der Deutschen Nationalmannschaft, Dr. Hans Dieter Herrmann, interessante Hinweise bei einer Pressekonferenz vor dem Portugal-Spiel. Welche Erkenntnisse ich daraus ziehen konnte, könnt ihr in diesem Blogartikel nachlesen.

In meinen Augen wählt Hans Dieter Herrmann genau den richtigen Ansatz, um die Fragen nach der Arbeit des Sportpsychologen in die richtige Richtung " zu lenken:

 

Er spielt die Bedeutsamkeit seiner Arbeit während des Turniers herunter.

 

Das liegt vor allem an der vorhandenen mentalen Stärke der deutschen Nationalspieler, die aufgrund ihrer internationalen Erfahrung mental bereits sehr gut mit solchen besonderen Spielen umgehen können. Es sei also nicht seine Aufgabe, die Spieler während des Turniers systematisch psychologisch zu betreuen. Vielmehr seien es die kleinen Gespräche beim Joggen und Essen, die einen Mehrwert für die Spieler bedeuten.

 

Dass H.D. Herrmann im "Teambuilding-Lager" der Nationalmannschaft wohnt, liegt in meinen Augen auch daran, dass Herrmann von den Spielern ganz normal als Teil des Trainerteams gesehen wird, der einfach dazugehört. Schließlich arbeitet Herrmann ja auch schon seit 2004 eng mit der Nationalmannschaft. Sicherlich wird Herrmann in der Vorbereitung auf das Turnier einige sportpsychologische Interventionen zur Leistungsoptimierung (z.B. Teambuiling, Training unter Druckbedingungen) durchgeführt haben. Während des Turniers aber fährt er seine Aktivität herunter. Dadurch betont Herrmann indirekt die Wirkungsmechanismen der Sportpsychologie, da erst über systematischesTraining mentale Fähigkeiten langfristig ausgebildet werden.

 

Eine meiner Meinung nach wichtige Funktion, die H.D. zwar nicht explizit erwähnt, aber bestimmt innehat, ist die beratende Funktion für Bundestrainer Joachim Löw. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Bundestrainer viel Wert auf den Rat aus psychologischer Perspektive legt, um seine Entscheidungen klug und ganzheitlich abzuwägen. So weist u.a. Bernhard Peters, Direktor für Sport und Nachwuchsentwicklung der TSG Hoffenheim, in seinem Buch "Führungsspiel" darauf hin, dass erfolgreiche Trainer mit einen vertrauten Psychologen zusammen arbeiten sollten, um ihre sozialen und kommunikativen Kompetenzen zu verbessern. Zudem ist die 2. Meinung aus psychologischer Sicht ein wichtiger Faktor bei der Entscheidungsfindung (z.B. mentale Vorbereitung aufs Spiel). Den Aspekt der mentalen Vorbereitung behandelt Herrmann unter dem Thema Simulation des Spielstags an den Tagen vor dem Spiel. 

Autor: Nils Gatzmaga

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