Körpersprache im Fußball

2 Spieler im Gespräch

Körpersprache! Ein Kommando, das häufig von Fußballtrainern während des Spiels zu hören ist, wenn sie den Eindruck haben, dass ihre Mannschaft nicht mehr aggressiv und selbstbewusst spielt. Körpersprache wird zudem häufig als Argument herangezogen, wenn die Mannschaft für ihre Leistung kritisiert oder gelobt wird. Warum Körpersprache tatsächlich eine Rolle spielt und wie man sie positiv als Trainer beeinflussen kann, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Robben - Ein Paradebeispiel für positive Körpersprache

Ein besonders positives Beispiel für eine positive und selbstbewusste Körpersprache verkörpert Arjen Robben. Zurzeit kann man in fast jeder Aktion das große Selbstvertrauen, die unbändige Spielfreude und die eiserne Entschlossenheit an seiner Körpersprache beobachten. Dazu ein paar Robben-Aktionen bei Hollands 5:1 Sieg gegen Spanien:

Robben strahlt einen unbeugsamen Willen in seiner Körpersprache aus. Vor allem seine nach vorn gedrückte Brust ist sehr typisch für ihn. Dieses Detail wird von seinen Gegen- und Mitspielern wahrgenommen und hinterlässt Eindruck.

Das sagt die Wissenschaft

Dass dominante und unterwürfige Körpersprache im Fußball die Wahrnehmung des Gegenübers sehr wohl beeinflusst, konnte in der letzten Zeit wissenschaftlich gut nachgewiesen werden. So testeten Furley, Dicks & Memmert (2012) die Wirkung von dominant- und unterwürfig- wirkenden Elfmeterschützen auf den Torhüter. Typische dominante Posen waren zum Beispiel eine herausgestreckte Brust, ein breiter Stand und ein angehobener Kopf. Unterwürfige Gesten dagegen waren gekennzeichnet durch einen gesenkten Kopf und hängende Schultern. Die Forscher stellten bei den Torhütern fest, dass sie die Qualität eines dominant auftretenden Schützen deutlich höher einschätzten als die Qualität eines unterwürfigen Schützen und ihre Erfolgserwartung (den Elfmeter zu halten) bei dominanten Schützen deutlich sank.

Was wir also aus Praxiserfahrung schon wissen, konnte jetzt wissenschaftlich bewiesen werden. Die Körpersprache ist im Fußball ein Schlüsselfaktor um Eindruck auf den Gegner zu machen. Zeichen der eigenen Stärke werden vor allem über den Körper gesendet. Es macht definitiv einen Unterschied auf die Wahrnehmung des Gegners, ob ein Spieler dominante oder unterwürfige Posen wählt. Dabei ist es zunächst einmal völlig irrelevant, ob man selber tatsächlich die Qualität hat oder nicht. Beim ersten Eindruck kann der Gegenspieler durch eine dominante Körpersprache eingeschüchtert werden.

Praxisempfehlung

Für die Praxis lässt sich daraus ableiten, dass die Spieler schon im Training an eine positive Körpersprache erinnert werden sollten, gerade in Trainingsphasen, wo die Körpersprache negativ auffällt. Im besten Falle weist der Trainer sie auf die genauen Details hin und verpackt das Paket in eine einfache Handlungsaufforderung, wie zum Beispiel "Brust raus" und "Kopf hoch". Als Sportpsychologe empfehle ich die Eckfahne als Blickanker. Der Blick der Spieler muss immer über der Eckfahne bleiben.

Wichtig ist auch, dass die Spieler sich gegenseitig auf dem Platz coachen, um eine positive Körpersprache über das gesamte Team zu entwickeln. Dazu können im Training bestimmte Codewörter (z.B. Krieger, Kraft, Energie etc.) besprochen und einstudiert werden, so dass sich stabile Handlungsroutinen bilden, die im Wettkampf automatisch abgerufen werden können.

Autor: Nils Gatzmaga

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Kommentare: 1
  • #1

    open-minded (Donnerstag, 15 Dezember 2016 17:21)

    das setzt natürlich voraus, dass im Training allgemein eine "angstfreie Atmosphäre" herrscht!