Sportpsychologische Vorschau: Deutschland - Algerien

Nationalflagge von Algerien

Im Achtelfinale der WM 2014 trifft Deutschland auf Algerien, eine Mannschaft, mit der kaum jemand gerechnet hat. Die Algerier setzten sich in ihrer Gruppe als Tabellenzweiter hinter Belgien und vor Russland und Südkorea durch. Welche psychologischen Merkmale diese Mannschaft kennzeichnen und welche mentalen Aspekte im Spiel gg. Deutschland zu berücksichtigen sind, findet ihr in diesem Blogartikel.

Ich bin ehrlich. Als ich am Donnerstagabend Fußball guckte wünschte ich mir insgeheim ein Weiterkommen Russlands, bzw. hoffte auf ein Fußballwunder durch die Südkoreaner. Algerien wollte ich aus einem Grund vermeiden: Ich wusste, dass ich die erste Analyse für diesen Blogg schreiben würde und mein Wissen über den algerischen Fußball hielt sich in Maßen. 2 Tage später bin ich nun dem algerischen Fußball näher gekommen und bin aus psychologischer Sicht fest davon überzeugt, dass unsere Nationalmannschaft ins Viertelfinale einziehen wird.

1. Das Spiel Nummer 1 nach dem Riesencoup: Wer kennt das nicht? Ein Underdog wirft den Favoriten raus und scheidet sang und klanglos in der nächsten Runde aus. Im Fußball ist dieses Phänomen weniger bekannt, da die Pausen zwischen den einzelnen Spielen im Vereinsfußball größer sind, aber in Sportarten wie Tennis, Tischtennis, oder Snooker, wo es viele Spiele innerhalb einer kurzen Zeit gibt, ist es weit verbreitet. Der Grund hierfür liegt an einem extrem hohen emotionalen Level, auf dem sich der/die Sportler nach einem so großen Erfolg befinden. Es ist überwältigend für die Algerier ins Achtelfinale eingezogen zu sein, dieser Erfolg elektrisierte die ganze Nation. In einem solchen Moment fällt es schwer, den Kopf und den Körper wieder abzuschalten, Ruhe hineinzubringen und sich fokussiert neu auf ein noch größeres Spiel vorzubereiten. Da kann das Einschlafen nach dem Spiel gegen Russland schwer fallen, da kann die Ablenkung durch heimische Medien und Fans groß sein, da kann der eigentlich automatisierte Rhythmus in den Tagen vor einem Spiel auseinander geraten.

Fazit: Der überraschende Erfolg der Algerier ist ein Vorteil für uns. Wir haben eine erfahrene, durch viele Turniere und große Spiele gefestigte Mannschaft, die solche Situationen (WM-Achtelfinale) aus dem FF kennt.

1-0 Deutschland

2. Ganz Algerien, inkl. Mannschaft und Trainer, spricht von der „Revanche für Dijon“. Man will die Vergangenheit rächen, man habe nicht vergessen, was damals im Skandalspiel zwischen Österreich und Deutschland passierte (die beiden Teams schlossen einen Nichtangriffspakt und spielten 0-0, dadurch war Algerien ausgeschieden) und man wolle es den Deutschen jetzt heimzahlen. Dies ist sicherlich ein spannendes Thema für die Medien, aber wenn eine Mannschaft sich auch nach außen so intensiv mit einem externen Thema beschäftigt, kann der Fokus auf das Wesentliche leiden. Eine Überaktivierung und extrem hohe Motivation kann in einem Spiel, in welchem man der haushohe Underdog ist und nur eine Chance hat, indem man zu 100% im Spiel ist und sich auf seine Aufgaben besinnt, ist große Emotionalität ab einem gewissen Grad hinderlich. Mal davon ab: 1982 war der Großteil der Mannschaft noch gar nicht geboren und sollte deswegen nicht der Aufhänger für ein solches Spiel sein.

Fazit: Die Vergangenheit spielt für uns.

2-0 Deutschland

3. Die Algerier sind eine sehr kampstarke Mannschaft. Sie haben eine sehr große Mentalität in der Truppe. Sie bestechen nicht durch herausragende Einzelspieler, sondern überzeugen als Gesamtkonstrukt im Kollektiv. Überraschend für ein afrikanisches Team: im Vorfeld und Verlauf der WM gab es keine Querelen, die nach außen drangen, wie es bei Ghana oder Kamerun der Fall war. Es scheint als bringen die Jungs ihre Leidenschaft und ihre Energie zu 100% auf den Platz. Die Algerier bestachen bisher ebenfalls mit ihrer Nervenstärke beim Abschluss. Kaum ein Team war bei Großchancen so effektiv wie die Nordwestafrikaner.

Fazit: Deutschland tat sich gegen aufopferungsvolle und effektiv spielende Ghanaen schwer. Die Mentalität, welche die Algerier auf den Platz bringen ist sicherlich vergleichbar, sie werden wie bisher auch um jeden Zentimeter auf dem Rasen fighten. Sie kommen aus einer guten Defensivordnung heraus, spielen gefällig nach vorne.

2-1 Deutschland

4. Jeder Sportpsychologe horcht bei Begriffen wie „IZOF“ oder „Yerkes-Dodson“ aufmerksam auf. Für den psychologischen Laien meinen diese Begriffe Modelle, die den Zusammenhang zwischen Erregungszustand und Leistung eines Athleten definieren. Ist der Erregungslevel zu hoch (z.B. durch Übermotivation) leidet darunter die Leistung. Algerien glänzt neben ihrer Kampfstärke und Gemeinschaft bisher auch durch eine sehr hohe Anzahl an Fouls. In einem hoch emotional aufgewühlten Zustand (Spiel der Spiele für das Land, Rachespiel, gößter Erfolg der algerischen Sportwelt, etc.) kann sich eine solche Tendenz noch weiter steigern.

Fazit: Für Deutschland spricht die Coolness und die Erfahrung, für Algerien die Gefahr durch external bedingte Faktoren den Fokus zu verlieren.

3-1 Deutschland

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Palmira Godwin (Donnerstag, 02 Februar 2017 16:12)


    We are a group of volunteers and opening a new scheme in our community. Your web site offered us with valuable info to work on. You have done a formidable job and our whole community will be thankful to you.

  • #2

    Efren Watwood (Freitag, 03 Februar 2017 15:37)


    Wonderful blog! I found it while surfing around on Yahoo News. Do you have any tips on how to get listed in Yahoo News? I've been trying for a while but I never seem to get there! Thanks

  • #3

    Buford Fulgham (Montag, 06 Februar 2017 06:06)


    I every time emailed this webpage post page to all my associates, because if like to read it afterward my links will too.