Mentale Stärke vs. Burnout - Teil 1

Burnout im Fußball? Schon lange keine Überraschung mehr. Sowohl über Trainer (z.B. Ralf Rangnick) und Spieler (z.B. Mike Wunderlich) wurde in den Medien berichtet. Doch der Profi-Fußball ist nicht der einzige Ort, wo kritische Mechanismen lauern, die ein Burnout leider begünstigen können. Auch im Nachwuchsfußball können sowohl Trainer als auch Spieler unter den Symptomen eines Burnouts bzw. Erschöpfungssyndroms leiden. In diesem Artikel möchte ich näher auf die Spieler eingehen und schauen, welche Mechanismen im Nachwuchsleistungsfuball ein Burnout oder Erschöpfungssyndrom bei Spielern auslösen können.

Was ist ein Burnout?

Burnout (oder "Ausgebrannt sein“ oder Erschöpfungssyndrom) beschreibt einen Zustand der geistigen und körperlichen Erschöpfung, einer chronischen Unzufriedenheit, Unkonzentriertheit sowie deutlich eingeschränkter Leistungsfähigkeit. Häufig fällt es den Betroffenen noch schwer Lust an ihrer Tätigkeit zu verspüren, sie funktionieren nur noch wie Maschinen ohne Emotionen. Auch privat sind diese Anzeichen von Energie- und Lustlosigkeit häufig zu erkennen.

Das folgende Video über den Bericht von Mike Wunderlich, Fußball-Profi von Victoria Köln, über sein Burnout, das er 2012 erlitten hat. Vorweg: Er überwand das Burnout ist ist zurück auf dem Platz.

Ursachen & Symptome von Burnout

Meistens sind hoher Zeitdruck, steigende Arbeitsmengen (äußere Überforderung) und ein übertriebener Arbeitseinsatz (innere Überforderung durch zu hohe Ansprüche, ständig Höchstleistung liefern zu müssen) die Ursache. Durch chronischen Stress können Gefühle der Kraftlosigkeit, Verlust von Kontrolle („Hamsterrad“) und der ständigen Erschöpfung entstehen. Weitere Symptome sind eine höhere Reizbarkeit, ständige Frustration, Stimmungsprobleme und Schlafstörungen.

Etwas mehr als 50% der Betroffenen mit einem Burnout leidet zusätzlich unter einer depressiven Symptomatik (Gefühle der Überforderung, Hilflosigkeit, Kontrollverlust, ständige Unzufriedenheit, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen). Der Artikel Depression im Fußball gibt euch weitere Infos und stellt euch eine Dokumentation über Robert Enkes Leben mit Depressionen vor.

Burnout im Nachwuchsfußball

Zunächst einmal können im Fußball sowohl Trainer als auch (Nachwuchs-) Spieler von einem Burnout betroffen sein. Manche Auslöser sind ähnlich, während andere sich unterscheiden. Wenn wir uns die obige Beschreibung der Ursachen von Burnout im Allgemeinen durchlesen, fällt der Übertrag auf die Situation für Trainer und Spieler im Nachwuchsleitungsfußball nicht schwer.

Viele Nachwuchstrainer gehen einem normalen Beruf nach und sind Trainer aus Leidenschaft, wofür sie viele zusätzliche Stunden in der Woche arbeiten. Um so höher die Vereine allerdings spielen, desto mehr werden die Aufgaben und Anforderungen für die Nachwuchstrainer (z.B. Dokumentation, Gegneranalyse etc.). Bei den Spielern ist es zeitlich gesehen nicht anders. Sie gehen meist noch zur Schule, machen eine Ausbildung oder gehen schon einem Beruf nach. Sie sind also in erster Linie Vollzeit-Schüler, Azubi oder Arbeitnehmer. Zeit ist ein rares Gut. Verzicht ist eben eine Notwendigkeit des Leistungsfußballssystems.

Hinzu können übertriebene Erwartungen an die eigene Leistung kommen, die im schlimmsten Falle bei Niederlagen schnell in Selbstzweifeln und Versagensängsten enden, sowohl für Trainer als auch Nachwuchsspieler. Im Weiteren gehe ich näher auf mögliche Auslöser eines Burnouts bzw. Erschöpfungssyndroms junger Leistungsfußballer ein.

Ständiger Leistungsdruck & Dauerstress

Im Nachwuchsleistungsfußball herrscht für Spieler und Trainer ein ständiger Druck, Leistung zu zeigen, sich behaupten zu müssen, bewertet zu werden und nebenbei noch ein geregletes Arbeits- und Privatleben zu führen. Für junge Spieler kann dieser Druck des Funktionieren-Müssens, während die Klassenkameraden im Freibad liegen, zu einer psychischen Belastung werden, da man das Gefühl hat, die Kontrolle über sein Leben zu führen. Man läuft quasi im Hamsterrad.

Zudem ist die zeitliche, körperliche und psychische Belastung für einen Nachwuchsspieler enorm. Daher kann es durchaus passieren, dass unsere Talente aufgrund des ständigen Leistungsprinzips (in Schule und Fußball) schnell überfordert werden. Zudem kann der ständige Konkurrenzdruck für manche Spieler psychisch sehr belastend wirken, indem sie kein stabiles Selbstvertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten entwickeln, sondern ständig unsicher sind, sich selber kritisieren und hinterfragen.

Die Rückzugsmöglichkeiten, wo die Kinder/Jugendlichen einfach mal Kind/Teenager sein können und ein stabiles Nicht-Fußball-abhängiges-Selbstvertraunen aufbauen, werden immer weniger. Im schlimmsten Falle kann das Kind gar nicht mehr abschalten und steht unter Dauerstress.

Nur Fußball, Fußball, Fußball

Fußball prägt den Alltag vieler Nachwuchsspieler. Nicht nur auf dem Platz, sondern abends vor dem Fernseher, an der Playstation, auf Facebook etc. Viele Spieler träumen davon, eines Tages Profi zu sein. Diese eindimensionale Sichtweise verhindert ein stabiles Selbstvertrauen. Denn unser Selbstvertrauen baut auf vielen Säulen auf. Wir sammeln Selbstvertrauen in der Schule, Arbeit, zuhause, wenn wir mit Freunden unterwegs sind, wenn wir andere Sachen ausprobieren, lernen und beherrschen.

Gefährlich wird es erst recht, wenn die Spieler die Botschaft mit auf ihren Weg kriegen, dass der Erfolg im Fußball mit dem Erfolg im Leben gleichzusetzen ist. Definiert sich der Spieler nur über Fußball, werden ihn kritische Ereignisse (Selektion, Verletzung etc.) härter treffen, als wenn er ein gesundes Selbstvertrauen auf mehreren Identitäten (Schüler, Freund, Musiker etc.) aufbaut. Ein stabiles Selbstvertrauen und Abwechselung im Leben eines jungen Menschen sind wichtige Bausteine für die psychsiche Gesundheit.

Übertraining

Dieser Begriff kommt eher aus der Trainingswissenschaft bzw. Sportmedizin und meinst im Prinzip eine körperliche Überbelastung über einen längeren Zeitraum, die sich dann auf die Psyche des Spielers niederschlägt. Grund dafür sind zu viele Trainingseinheiten hintereinander und eine zu hohe Wettkampfdichte, die die notwenige körperliche und geistige Erholung stören. Die Spieker kriegen einfach keine Zeit mehr, sich körperlich und geistig zu regenerieren. Am Ende stagniert die Leistung oder nimmt sogar ab, obwohl die Spieler weiter hart trainieren. Typisch sind auch Burnout-Anzeichen wie Lustlosigkeit, Unzufriedenheit, Verlust der Motivation, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit.

Vorläufiges Fazit & Ausblick

Burnout kann auch im Nachwuchsleistungsfußball vorkommen. Es ist quasi die logische Folge eines Leistungssystems, wo man ständig bewertet und selektiert wird und nur die Besten den Sprung in den Profifußballl schaffen. In der Schule müssen die Spieler ebenfalls funktionieren. Dieses Funktionieren-Müssen und ständige Kontrolliert-Werden kann auf Dauer für manche junge Leistungsfußballer zu einer psychischen Belastung werden. Abnehmende Leistungen, Unzufriedenheit, Lustlosigkeit und Unkonzentriertheit können erste Anzeichen eines Burnouts bzw. Erschöpfungssyndroms sein. In der weiteren Artikelreihe zu Burnout im Nachwuchsleistungsfußball werde ich Möglichkeiten vorstellen, wie Spieler sich selber mentale Stärke aneignen können und wie Club-Verantwortliche, Trainer und Eltern präventiv agieren können um es erst gar nicht zu einem Burnout kommen zu lassen. 

Autor: Nils Gatzmaga


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