Filmtipp: Gegen jede Regel

Hollywood meets Sportpsychologie: Gegen jede Regel (im Englischen: Remember the titans). Ein sehenswertes Football-Drama, das sehr viele sportpsychologische Aspekte in sich birgt, speziell zum Führungsverhalten von Trainern und zur Teamentwicklung. Deshalb ein Must-Watch für Trainer, (Führungs-) Spieler und Sportpsychologen. Check it out!

Kurz zum Film: USA in den 70ern, Rassentrennung bestimmt den Alltag. Unerwartet werden zwei Highschools in Alexandria, Virginia, zusammengelegt. Die Schulen haben jeweils ein eigenes Footballteam, ein schwarzes und eine weißes. Zoff, Hass, Abneigung, Missgunst und Ignoranz sind vorprogrammiert.

Wie soll aus 2 verfeindeten Teams eine Einheit werden?

Dieser Aufgabe muss sich der schwarze Coach Boones stellen, der überdies noch seinen weißen Co-Trainer für seine Spiel- und Coachingphilosophie gewinnen muss. Ein wichtiger Schlüssel zur Teamentwicklung wird das geplante Trainingslager sein. Was dort passiert, wie Coach Boones als Führungsperson agiert und wie die Spieler zueinander finden, könnt ihr selber auschecken. Hier der englische Filmtrailer:

Was können wir aus dem Film auf den Fußball beziehen?

Der Film betrachtet sehr anschaulich viele psychologische Aspekte, die auch in der Realität Leistungsfußballs eine Rolle spielen. Hierzu eine kleine Auflistung:

  • Ein Trainer muss in kritischen Situationen seinen Führungsanspruch vor der Mannschaft und vor einzelnen Spieler klar, bestimmend und authentisch untermauern.
  • Ein Chef-Trainer muss Vertrauen können und Verantwortung an seine Co-Trainer und Spieler abgeben können. Erst dann werden seine "Mitarbeiter" ihr volles Potential entfalten können. Nur so können Selbstbestimmung und Eigenverantwortung bei Spielern gefördert werden.
  • Loyalität ist ein Schlüsselmerkmal in der Beziehung von Chef- und Co-Trainer. Das soll aber icht heißen, dass der Co-Trainer keine eigene Meinung haben darf. Intern muss kontrovers über die Sache diskutiert werden. Nur Ja-Sagen verhindert eine vollständige Analyse der Sache. Nach außen hin ist es aber wichtig, eine Meinung zu vertreten und sich als Einheit zu präsentieren.
  • Bildhafte, motivierende Ansprachen vor dem Spiel sind essentiell, um die Mannschaft "heiß" zu machen. Ein Trainer braucht daher ein gewisses rhetorisches Geschick und Kreativität, um sich immer wieder was Neues einfallen zu lassen. Unser Tipp: Registriert euch im Newsletter und ihr erfahrt 7 Tipps für die optimale Teamansprache.
  • Symbole / Codes / Schlüsselbegriffe für taktische Spielzüge sind in der Hektik des Spiels absolut notwendig um die Kerninformationen an die Spieler auf dem Platz zu übersenden, damit diese wissen, was in der nächsten Aktion zu tun ist.
  • Kommunikation auf dem Platz ist das A und O um . Wie ihr das Coaching eurer Spieler fördern könnt, erfahrt ihr in diesem Artikel.
  • Ein Team wächst auch dadurch zusammen, wie gut sich die Spieler untereinander kennen, frei nach dem Prinzip: Wen ich kenne, vertraue ich eher als jemand Fremden. Ein Trainer kann von außen sehr gut über Teamaufgaben steuern, wie gut sich die Spieler kennenlernen.
  • Herrscht eine Atmosphäre von Sympathie, Vertrauen, Ehrlichkeit und Offenheit, werden sich Spieler eher trauen, dem Trainer ehrlich Auskunft über ihren Leistungszustand zu geben, als wenn sie aus Angst vor dem Gesichtsverlust vor dem Trainer ihre Schwächen verheimlichen.
  • Ein Trainer muss die Kunst der Nähe und Distanz zu seinen Spielern beherrschen. Mal ist er als Diktator gefragt (Mein Wort ist Gesetz), mal als Freund und Zuhörer. Norbert Elgert, Trainer der U19 von Schalke 04, hat die verschiedenen Rollen eines Trainers im Nachwuchsleistungsfußball in diesem Interview mal sehr gut beschrieben.
  • Kollektive Strafen bei individuellen Vergehen können eine größere Wirkung auf die Teamdisziplin haben als bspw. Geld-Strafen.
  • Teamrituale (Titans Dance) können eine teambildene Wirkung sowohl nach innen als auch nach außen auf die Wahrnehmung des Gegners haben (z.B. Verwirrung, Einschüchterung).

Was sind euch noch für wichtige Elemente im Film aufgefallen, die ihr für euere Praxis als Trainer, Spieler oder Sportpsychologe im Fußball mitnehmen könnt? Über Feedback via Kommentare oder Emails würde ich mich sehr freuen. Den Film könnt ihr übrigens relativ leicht im Netz finden oder sehr günstig über amazon bestellen.

Autor: Nils Gatzmaga

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