Sportpsychologie im Fußball

Hans Dieter Herrmann
Hans Dieter Herrmann

Seit den letzten Jahren scheint sich im deutschen Fußball eine Trendwende anzudeuten, dass Spieler, Trainer und Verantwortliche dem Training von psychischen Faktoren des Spiels eine große Bedeutung zusprechen. So gehört Hans Dieter Herrmann seit Ende 2004 als Sportpsychologe zum erweitereten Trainerteam der deutschen A-Nationalmannmschaft. Sein Kollege Jan Mayer übernahm daraufhin die sportpsychologische Betreuung der DFB-Nachwuchsmannschaften. Zurzeit arbeitet er als Sportpsychologe bei der TSG Hoffenheim im Lizenz- und Nachwuchsbereich. Herrmann und Mayer sind nur 2 Beispiele zahlreicher Sportpsychologen, die inzwischen im professionellen Fußball arbeiten.

Was ist Sportpsychologie? Eine Definition aus dem Lehrbuch

Oliver Stoll
Oliver Stoll

Was aber beinhaltet die Sportpsychologie nun genau? Dazu eine Definition der Sportpsychologie nach Alfermann und Stoll (2010, S. 16) .

 

"Sportpsychologie befasst sich mit Verhalten und Erleben im Rahmen sportlicher Aktivität. Sie ist darauf gerichtet, dieses Verhalten und Erleben zu beschreiben, zu erklären, zu beeinflussen und das gewonnene Wissen praktisch anzuwenden."

 

Es geht demnach darum, die psychologische Seite des Sport zu untersuchen. Dabei stehen das Verhalten und das Erleben des Sportlers im Mittelpunkt, um die Auswirkung der psychischen Prozesse auf die sportliche Leistungsfähigkeit zu untersuchen. Sportpsychologie zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass psychologisches Fachwissen und psychologische Techniken auf den Leistungsport angewandt werden (vgl. Brand, 2010). Daraus ergeben sich beispielsweise folgende Fragestellungen:

  • Welchen Einfluss hat Angst auf die Leistung?
  • Wie kann der Spieler seine Konzentrationsfähigkeit verbessern?
  • Wie kann der Trainer den Teamgeist fördern?
  • Warum kann der Spieler seine Trainingsleistung im Spiel nicht abrufen?
  • Wie der Freistoßschütze mithilfe des mentalen Trainings seine Technik verbessern?
  • Wie schafft es die Mannschaft, sich nach bitteren Niederlagen wieder zu motivieren?

Die Entwicklung der Sportpsychologie

Ihren großen Aufschwung erlebte die Sportpsychologie nach dem 2. Weltkrieg mit der aufflammenden Ost-West-Rivalität. Der kalte Krieg wurde auch über sportliche Wettkämpfe ausgetragen. Ihre besondere politische Bedeutung veranlasste die Rivalen im großen Stil in den Leistungssport zu investieren. Davon profitierte auch die Sportpsychologie. Bei den Sommerspielen 1976 gaben russische Athleten das erste Mal offiziell zu, seit Jahren systematisch psychologisch zu trainieren. Die Ausbeute von 49 Goldmedaillien schockte die USA (34mal Gold, DDR 40mal Gold). Daraufhin wurden auch im Westen die sportpsychologischen Bemühungen intensiviert (vgl. Dirren, 2006).

 

Ihre ersten institutionellen Schritte unternahm die Sportpsychologie 1965 in Form der Gründung der "International Society of Sport Psychology" (ISSP). Die europäische Vereinigung für Sportpsychologie (FEPSAC) wurde wenige Jahre später gegründet. In Deutschlang wurde die ASP, die Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie, der Dachverband der deutschen Sportpsychologen, 1969 ins Leben gerufen. Diesen Arbeitsgemeinschaften ist es zu verdanken, dass Forschungsprojekte und Kongresse veranstaltet und finanziert werden können.

 

Inzwischen hat die Sportpsychologie sich zu einer eigeneständigen, wissenschaftlichen Disziplin etabliert. Psychologisches Training ist ein wichtiger Bestandteil im Leistungssport geworden.

 

Was ist psychologisches Training im Sport?

Sportpsychologisches Training umfasst systematisches und regelmäßiges Üben von psychologischen Fertigkeiten mit dem Ziel, die sportliche Leistung zu verbessern und das persönliche Wohlbefinden zu steigern (vgl. Weinberg & Gould, 2003). Denn häufig ist zu beobachten, wie Spieler ihre Leistung am Spieltag nicht zeigen können. Im Leistungssport versuchen Sportpsychologen z.B. Selbstvertrauen und Motivation, Konzentrationsvermögen, Aktivierungs- und Entspannungssteuerung, Kommunikationsfähigkeit oder den Mannschaftszusammenhalt zu fördern. Im Fußball lassen sich dadurch Situationen besser bewältigen, wie z.B. die vorhandenen Leistungsressourcen im Spiel unter Druck abzurufen, nach dem Spiel den Stress effektiv zu verarbeiten oder Verletzungen schnell zu überwinden (vgl. Schliermann & Hülß, 2008).